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30 Nov 2008 22:53:01 | Blogosphäre,Blogs vs. Journalismus,Blogs & 038, Companies Dass eine Professionalisierung der deutschen Blogosphäre ins Haus steht, kann niemand ernsthaft bezweifeln. Wer Werbung in Medien grundsätzlich und immer und sowieso verdammt, kann das gerne tun, sollte aber nochmal nachdenken, vielleicht während eines Praktikums bei der Nordkoreanischen Staatszeitung. Sascha Lobo am 10. April 2007 Es ist zum Glück nicht mein Problem, vom Blogvermarkter Adnation (früher Adical) wenig Werbung aufs Blog zu bekommen, aber wäre ich einer dieser Leute - oder gar jemand wie Johnny Häusler, der mit Sascha Lobo zusammen diese Blogwerbefirma betreibt - würde ich mir schon mal überlegen, was für einer Person da der Vermarktungsversuch von Blogs übertragen wird. Blogs, sagen wir doch allgemein, seien Gespräche, bessere Medien, ehrlicher, authentischer, nicht so gekaufter Dreck wie die Medien, einfach: Etwas Besonderes. Natürlich sieht das nicht jeder so. Der Aufstieg von Johnny Häusler Blog Spreeblick kam, als Jamba versuchte, die Kommentare einer Diskussion um ihre Produkte zu manipulieren. Und vor knapp zwei Jahren wurde ich nach der Aufdeckung diverser Skandale rund um StudiVZ gefragt, ob ich nicht für ein üppiges Honorar ein paar Pressesprecher etwas zum Gefahrenpotential Weblogs - und wie man sie vereinnehmen kann - erzählen kann. Meine Antwort war ein klares Nein. Aber nun, 2 Jahre später, hat die gleiche Organisation, die “Deutsche Presseakademie” DEPAK, ein Schulungszentrum für PR und andere unerfreuliche Berufe, die ganz sicher kein Praktikum bei einer totalitären Zeitung mehr brauchen, jemanden gefunden, der das macht und offensichtlich kein Problem hat, für 990 Euro pro Teilnehmer sein Wissen über Blogs profitabel weiterzugeben: Sascha Lobo. Ab jetzt auch Referent für “Social Media - Chancen und Risiken digitaler Netzwerke” Mit folgenden Themen: - Soziale Netzwerke als PR-Tool - Stakeholderdiagnose im Web, Auswahl adäquater Tools - Agenda Setting durch Social Media - Blogs als Meinungsmaschine und als PR-Instrument - Das Konzept der digitalen Reputation und ihr Beitrag zum Unternehmensimage - Manipulationsmöglichkeiten, rechtliche Gefahren, Datenschutz Manipulationsmöglichkeiten, schau an, schau an. Ts ts. Also: Wie bringe ich meine Geschichten in soziale Netzwerke, wie überwache ich Internetmedien, wie nutze ich sie für meine Zieke aus, wie benutze ich Blogs, wie passe ich auf, dass meine Firma schön sauber bleibt, und welche dreckigen Tricks wende ich dafür an… Kleines Detail am Rande: Während Lobo am 2. und 3. April 2009 dergestalt den Missbrauch und das Ausnutzen von Blogs und anderen Formen der Internetkommunikation an PRler vermittelt, macht sein Adnation-Geschäftspartner Johnny Häusler zur gleichen Zeit das “Web2.0-Festival” re:publica 2009 über die Veränderungen der Digitalisierung. Thema: Es soll diskutiert werden, welchen politischen und gesamtgesellschaftlichen Wandel dieser Shift einläuten wird und in welchen Bereichen er sich bereits manifestiert hat. Shift happens: Als Blogger beginnen, als Manipulationsmöglichkeit in einem Sacha-Lobo-Seminar enden. 30 Nov 2008 00:20:10 | Blogosphäre,Blogs vs. Journalismus Lassen wir mal ausser acht, dass die Blogbar eine Art spezialisiertes Medienblog ist, und dass dieses Thema hier schon mal leicht anders abgehandelt wurde. Kann mir mal jemand erklären, warum so viele von mehr oder weniger professionellen Medien gestartete Blogs ausgerechnet Medienblogs sind, die der Selbstbeschau einer Branche dienen, die man mit Blogs grundlegend verändern kann? Ist das schlichtweg die Einfallslosigkeit, das Setzen auf eine vermeintlich sichere Karte, weil Journalisten immer schauen, was über sie geschrieben wird? Und weiter: Gibt es wirklich Leute von aussen, die sich diesen ganzen Wust an Nichtmeldungen, Nacherzählungen von Talkshows und Reden über das, was andere über das Reden reden, wirklich gerne und mit Begeisterung antun? Ich habe, wenn man sich etwa die Verlinkungen bei Rivva anschaut, im Bereich der Medienblogs den Eindruck, dass da nichts ist ausser einen mittelgrossen Echokammer, mit den immer gleichen 30, 40 Protagonisten, die bei den immer gleichen Themen das immer gleiche schnattern, nacherzählen, verlinken und kommentieren. Das sieht dann zwar von aussen so aus, als gäbe es eine grosse Teilnahme an Medienthemen. Aber diesem kleinen, blogbasierte Medien-Medienzirkus würde ich keine echte Relevanz beimessen. Nicht ganz zu Unrecht hat sich beispielsweise “die Welt” inzwischen wieder von ihren Medienblogs getrennt. Gibt es denn keine anderen Zielgruppen? Und kann es sein, dass diese gebloggte Fixierung auf das, was Medien tun und sagen, eine spezifisch deutsche Eigenart ist? Mir ist in den letzten Monaten bei der Beschäftigung mit professionell betriebenen US-Blogs zum Thema Wirtschaft aufgefallen, wie eigenständig da inzwischen argumentiert und geschrieben wird. Höchst erfolgreich, frei und ohne dieses Schielen auf Klicks und Links durch Mediengedöns. 29 Nov 2008 00:46:34 | Blogosphäre,Blogs vs. Journalismus,Blogs & 038, Companies Momentan ist es ja unter Fernsehmachern schick, nach der Einstellung der Sendung in der Glotze anzukündigen, jetzt im Internet weiter machen zu wollen - und sich dabei natürlich immer eine Hintertür offen zu halten, falls doch wieder ein sender das Format übernehmen wollte. Was Polylux bislang ohne Anschlusssendung im TV wird nachmachen müssen, hat Elke Heidenreich mit der Literatursendung “Lesen” heute schon mal vorgemacht. Als die wegen nicht von sozialer Intelligenz und einnehmendem Verhalten durchtränkter Kritik an ihrem Haussender ZDF gefeuerte Moderatorin - und ich glaube, sie hat auch mal Bücher geschrieben, die man an Bahnhofsständern sah - ihre Kündigung erhielt, wollte sie erst mal einen anderen Sender finden. Angeblich wäre da auch was möglich gewesen, aber jetzt eben: Internet. Neben den Terroranschlägen in Bombai dürfte diese neue Sendung das bestverkündetste Ereignis des Tages und das heftigst beworbene TV-Spektakel seit dem Begräbnis von Johannes Paul II gewesen sein: Ungefähr 200 Onlinemedien und massenhaft Blogs meldeten diesen Schritt in ein neues Medium, mitunter auch mit einem triumphierenden Unterton a la “Internet, die Zukunft des Fernsehens”. Nun, der erste Tag ist vorbei, jeder mit Internetanschluss dürfte es erfahren haben, und nun ist es an der Zeit zu schauen, wie viele Leute das Video angeklickt haben - gemeint ist damit anlaufen lassen, wohlgemerkt, nicht zwingend komplett angeschaut: 16.060 Aufrufe. Wow. Das ist acht mal so viele Aufrufer, wie ich mit “Rebellen ohne Markt” an einem Tag wie heute Leser habe (Allerdings ohne 200 Berichte in allen grösseren Online-Medien). Und es ist immer noch etwas mehr als eine normale Folge von Ehrensenf (ohne Spiegel), die sich bis zu 10.000 Leute anschauen sollen - auch hier ohne die grosse Berichterstattung. Allerdings: Wenn Heidenreich in der Glotze eine schlechte Sendung hatte, schauten etwas weniger als 500.000 Leute die Sendung an. Damit läge sie jetzt bei schlanken 3% ihrer früheren Reichweite. Die erste Sendung im ZDF 2003, die sich über den Hype besser vergleichen lässt, kam auf 2,46 Millionen Zuschauer - davon hat sie jetzt 0.65% erreicht. Das ist wenig,selbst wenn sich die Zahl noch verdoppeln sollte. Das ist sehr, sehr wenig, und das nächste Mal gibt es sicher nicht mehr diesen medialen Schub. Wenn Heidenreich und ihr Team davon leben wollen, wird es eng. Es würde mich nicht im Mindesten überraschen, wenn die Internetbegeisterung von Frau Heidenreich bald zugunsten der Glotze verschwinden würde. Es gab da übrigens schon mal so ein Internet-TV-Literaturdings. Es hiess Lettra und hatte ähnlich hohe Erwartungen. Ansonsten finde ich Internet grossartig, das beste medium wo gibt, nur ist es halt nicht so geeignet für die ganz grossen Stars der Unterhaltungsbranche - auch das finde ich prima. 28 Nov 2008 02:51:50 | Blogosphäre,Blogs & 038, Companies Momentan gibt es ja so einige gerade im professionellen Internet, die angesichts der Stellenstreichungen bei prominenten Printmedien schon deren baldigen Niedergang vorhersagen. Man sollte es damit vielleicht nicht übertreiben; ich gehe mal davon aus, dass generell erst mal in den kostenintensiven Bereichen gestrichen wird, bis man sich den kleineren, aber verlustreicheren Onlineprojekten zuwendet. Seit Tagen halten sich Gerüchte über einen kommenden Paukenschlag bei Holtzbrinck, und dass bei Ebay Deutschland massive Einschnitte durchgezogen wurden, ist auch kein Geheimnis. Vorgestern jedenfalls, berichten die üblichen wohlinformierten Kreise, ging es bei den im Web2.0-Geschäft aktiven Media Ventures zur Sache: Ein Dutzend Mitarbeiter soll das Unternehmen verlassen haben. Hintergrund soll eine Art, sagen wir mal, Neuorientierung sein, weg von den Eigenentwicklungen hin zu einer Art Investmentfirma. Wie es jetzt mit deren alten, seit längerem nicht mehr besonders entwickelten und nicht gerade fehlerfreien Bloghoster Blogg.de weitergeht, ist unklar. Aus Bloggersicht weniger bedauerlich ist dagegen die unsichere Zukunft des Projekts Blogmonitor, von dem eine Art Profiversion für Agenturen und Firmen in Entwicklung ist. Der veritable Blogschnüffeldienst, der damit Bloginhalte von Leuten kommerzialisieren würde, die das vielleicht gar nicht wollen und sich im Zweifelsfall juristisch gegen so eine Form der Blogüberwachung wehren könnten, steht dem Vernehmen angesichts der anderen Baustellen der Firma und reduzierter Personalstärke ziemlich weit hinten auf der Prioritätenliste. Meines Erachtens hat sich Media Ventures im auf eine Art im Internet verfranst, die typisch für andere Konzerne der letzten Jahre ist: Zu viele Projekte, zu wenig ernsthaft umgesetzt, zu geringe Einnahmen und jetzt in der Krise zu wenig Bereitschaft, es trotzdem weiter zu versuchen. Da kommt noch mehr. Ich würde zwar meine Kinder eher auf den bau schicken, als in den Journalismus, aber besser noch zu einer seriösen Medienfirma, als in den Morast der Klitschen, die in den kommenden Jahren weggespült werden. 24 Nov 2008 23:30:34 | Blogosphäre,Blogs vs. Journalismus,Blogs & 038, Companies Einige Blogger - darunter auch der Autor dieser Zeilen - halten den Deutschen Journalistenverband nicht nur für verschnarcht, sondern angesichts seiner von diversen leitenden Mitgliedern vertetenen Standpunkten zu Blogs in diesem Bereich für arrogant, dummdreist und inkompetent. Und ich muss deshalb ehrlich zugeben, dass mich das Medienmoral-NRW-Blog des DJV-Landesverbandes NRW wirklich positiv überrascht. Angesichts der geplanten Einschnitte bei der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung - Lokalredaktionen sollen geschlossen, bis zu 300 leute entlassen und ein zweistelliger Millionenbetrag eingespart werden - hat der DJV ein wirklich funktionierendes, mit angeregten Debatten versehenes Blog geschaffen, das alles bringt, was man zur Krise der WAZ wissen muss. Und was die Beiträge nicht sagen, taucht in den Kommentaren auf - wie etwa die Arbeitsbedingungen, unter denen Printredakteure Inhalte für das wenig erfolgreiche Portal “DerWesten” - nach der neuen Devise “Online First” produzieren sollen: derwesten.de Medium der Zukunft, die schon begonnen hat. Die sieht dann so aus: Sonntagsdienst am 23.11. in der Lokalredaktion. Zwischen 16.30 Uhr und 18.15 Uhr kommen die 4 nachstehenden E-mails: Meldung 1: die DerWesten-Technik meldet, dass Hugo wieder etwas wackelig ist. Die Experten der IVO versuchen, ihn fitzuspritzen. Wir melden uns, sobald Hugo wieder auf dem Damm ist. Meldung 2: die Abteilung IVO meldet: Hugo hat sich wieder gefangen und ist arbeitsfähig. Falls das bei Euch/Ihnen nicht so sein sollte: Bitte mailden an wazonline@waz.de :-) Meldung 3: leider schwächelt Hugo doch wieder - und zwar beim Bildexport. Die Abteilung IVO arbeitet dran
Meldung 4: Neues von Hugo: Er ist laut IVO auch beim Bildexport wieder genesen. Nun werde noch die Warteschlange der Bilder abgearbeitet - das soll ca. 45 Minuten dauern. Bilder, die schon exportiert sind, müssen laut IVO nicht nochmal exportiert werden. Sie brauchen nur ein bisschen Zeit
Dass die Kommentare keine Permalinks haben [Edit: Übersehen; Es gibt vorne neben den Namen der Autoren ein paar winzige Punkte, die den Permalink enthalten] - hier ist es der aktuell letzte Kommentar unter dem Beitrag - ist angesichts der Debattenqualität wirklich schade. Das Blog läuft wie Schmitz Katze. Katastrophal und peinlich dagegen der Versuch der WAZ, diesem Blog eine Hausmitteilung unter dem Titel “Bleibt alles anders” entgegenzusetzen. Letzte Meldung ist eine offizielle Verlautbarung, warum die Verlagsleitung eine Betriebsversammlung, wie von der Gewerkschaft veranstaltet erst später und in eigener Regie sehen möchte: Wir freuen uns, dass dies nun von den dafür verantwortlichen Chefredakteuren und der Chefredakteurin zu einem gemeinsamen, uns überzeugenden Konzept verdichtet wurde. Die wirtschaftlichen und organisatorischen Konsequenzen unserer Sparnotwendigkeit bei den Titeln in Nordrhein-Westfalen werden wir - nach dem mit den Betriebsräten vereinbarten Zeitplan - nach dem 21. November 2008 präsentieren können. Wir werden deshalb Anfang Dezember 2008 zu einer Informationsveranstaltung einladen oder - was wir bevorzugen -, wenn die Abstimmung über Termin und Ablauf mit den Betriebsräten möglich sein wird, einer Einladung der Betriebsräte zu einer erneuten Betriebsversammlung folgen. Am 21. November wurde dann schon mal der Besatzung der MSG, eines Beilagenzulieferers, gekündigt, wie man mit einem Haufen unschöner Details bei Medienmoral NRW nachlesen kann. Kein Wort davon natürlich beim Haublog der WAZ, die damit ziemlich deutlich zeigt, was sie von einer offenen Informationspolitik hält. Auch kein Hinweis auf die Proteste der Mitarbeiter, oder die Einschränkungen bei der Ausbildung. Wundert es da, dass beim WAZ-Blog keine Diskussion aufkommen will? Am Ausgang der ekligen Geschichte wird das vermutlich nichts oder nur wenig ändern, aber zumindest sorgt der DJV dafür, dass die Propagan PR der Verlagsoberen nicht die einzige bekannte Version der Abläufe ist. 20 Nov 2008 14:03:44 | Blogosphäre,Blogs vs. Journalismus,Blogs & 038, Companies oder LeichenWatch. Oder Watchüss. Oder WatotchBerlin. Und wenn ich noch etwas länger nachdenken würde, hätte ich noch andere lustige Überschriften für einen Beitrag, in dem das hier schon lange vorhergesagte Scheitern von Watchberlin schlussendlich verkündet wird. Den betroffenen Leistungsträgern innerhalb der mässigen Suppe kann man nur raten, es selber zu machen, ohne Anbindung an so ein Projekt. Es war eigentlich schon absehbar, als diverse andere geplante Stadtportale wie Watchköln oder Watchmünchen der Holtzbrinck-Gründung nicht materialisierten. Dafür war Watchberlin zu schlecht, zu langweilig und mit zu wenig Zuschauern gesegnet. Wenn ihnen jetzt nach über 20 Monaten der Geldhahn zugedreht wird, ist das nur eine logische Folge aus einem Konzept, das nicht aufgehen wollte und wohl auch nicht konnte. Sei es, weil Internetfernsehen nur geht, wenn die Inhalte hervorragend sind, oder man eine Nische findet, die gut bezahlt wird. Wenn ab nächstem Wochenende BBC Topgear im Internet ausgestrahlt wird, dürfte man weniger Probleme als Watchberlin bei den Zuschauern haben. Um es positiver, oder: Noch positiver als das Ende von Watchberlin zu sehen - man braucht eben einen langen Atem, Qualität und die richtigen Leute, um im Internet anzukommen. Das kostet am Anfang vermutlich weitaus mehr als Watchberlin, aber dann lohnt es sich auch. Eine Lektion, die der Medienkonzern Holtzbrinck noch öfters lernen wird. Ob sie dem billigen Trashportal Zoomer.de vielleicht auch im Dezember das Licht ausknipsen? 18 Nov 2008 11:15:37 | Blogosphäre,Blogs & 038, Companies Terry Yang tritt als Chef von Yahoo, der bekannten Helfer der chinesischen Mörder, zurück. Nicht, weil die Firma in Sachen Menschenrechte die niedrigste Existenzform der Internetfirmen ist, sondern weil die Werbedeals mit Google oder Microsoft nicht funktioniert haben. Es geht allen um Werbung. Nicht darum, wie toll Flickr ist, ob Yahoo 360° gescheitert ist, ob Yahoo bei seinen verkauften Suchabfragen vorankommt. Es geht einfach darum, dass Yahoo keinen Weg findet, seine diversen Klicks auf diversen Plattformen so zu vermarkten, dass es nach zukunftsfähigem Geschäftsmodell aussieht. Werbung ist schon im Print eine niedergehende Geschäftskomponente. Im Internet ist Werbung dummerweise fast die einzige realistische Refinanzierungsmöglichkeit. Und wenn es heute schon Yahoo so beutelt, dass ihnen nichts anderes als die Flucht zu den de facto Monopolisten bei Software und Internetwergung zu fliehen, kann man sich vielleicht ausmalen, was die mittelfristigen Folgen für alle sind, die auch an Werbung als Goldgrube im Netz geglaubt haben. Werbung war schon während der Dotcomkrise eine todsichere Fehlentscheidung, die vielen Startups das Genick gebrochen hat. Es ist nicht erkennbar, warum es diesmal anders werden sollte. Es wird imjmer noch geklickt wie blöd, das war schon während der New Economy nicht das Problem. Aber es wird zu wenig imm Netz gekauft, zu viele Angebote sind kostenlos, und mit der Wirtschaftskrise wird das über die kommenden Jahre nicht besser. Sondern vermutlich erheblich schwieriger. Angefangen bei überflüssigen T-Shirts bis zu Viagra, von Desingerresten bis Billigreisen. Das Internet hatte als Wirtschaftsraum zwar eine Menge Zukunft, aber aktuell sehr wenig Substanz. Werbung ist sowas wie der zentrale Konstruktionsfehler des Internets. Statt Leistungen zu verkaufen, werden Nutzer an die Werbung verkauft. An Werbung, die gerade kein Geld mehr hat. Grosses Angebot, winzige Nachfrage, Erholungsaussichten gerade bei den wichtigsten Werbekunden Banken, Auto und Internet/Medienfirmen eher unwahrscheinlich vor 2010. Erstaunlich ist in meinen Augen, wie wenig über Alternativen nachgedacht wird. Das ist unangenehm, man müsste sich ein Scheitern eingestehen, aber wenn es schon einen Yang derbröselt, frage ich mich schon, woher andere ihre Zuversicht nehmen. 15 Nov 2008 20:40:56 | Blogosphäre,Blogs vs. Journalismus Vermutlich wird man in den nächsten Monaten des postnuklearen Medienwinters solche Ankündigungen noch öfters lesen: Projekte, Zeitungen, Redaktionen und Medienmacher werden mit ihrer Tätigkeit scheitern und dann ganz gross ankündigen, im Internet mit etwas Besonderem, Einzigartigen und super Erfolgreichen weiter zu machen. Das nach einigen weniger tollen Dingen ausgeknipste TV-Magazin Polylux hat das mit der Ankündigung schon vorgemacht - dort soll das Blog, das mit einigen anderen szenenahen Figuren 2007 einen Grimme Online Award zugeschoben bekam, mit Internetvideos zum Goldeselchen für die Produzenten werden. Seit Anfang November könnte es losgehen, denn am Ende von Polylux ist nach Worten des RBB nichts mehr zu ändern Während jetzt aber von der grossen Offensive auf Polyblog.tv bislang noch nichts zu merken ist, tritt schon das nächste Medium zu Gang ins Internet an: Die Zeitgeistpostille Face wollte die alte “Tempo” beerben und coole Texte für coole Leute schreiben - aber schon nach drei Ausgaben kam es zum grossen Knall, der Chefredakteur wurde gefeuert, und seine Redaktion erklärt sich mit einem Rückzug solidarisch: Der jetzige Status Quo war somit ein fast unvermeidbarer Zustand, und wir bedauern diese Entwicklung zutiefst, freuen uns aber, Ihnen mitteilen zu können, dass wir ab Montag, den 10.11.2008 auf www.faceyourmagazine.de täglich zeigen, wie es jetzt mit uns weitergeht, im Leben zwischen Disko und Diskurs, Anspruch und Ablehnung, Bio und Boulevard, Kritik und Konsum. Ja. Fein. Heute ist der 15.11, und bislang stehen da in zu kleiner Schrift zwei Filmkritiken und die Ankündigung, dass am Sonntag vielleicht ein Beitrag über Mode kommt. Einen Autorennamen würde sich der Leser vielleicht auch wünschen. Das ist jetzt nicht so arg viel. Irgendwie fände ich es hübsch, wenn solche Projekte zu Beginn etwas liefern würden, was einen begeistert, mitreisst, gleich mal zeigt, wo der Hammer hängt. Aufmerksamkeit ist ein seltenes Gut im Netz, nie bekommt man mehr als zu Beginn, gerade unter den jetzigen Umständen der Migration ins Netz, und wer es dort erst mal langsam und behäbig angehen lässt, sollte sich nicht wundern, wenn die Leser nicht dauerhaft bleiben. Also: Unterhaltung, und zwar sofort. Sonst ist man am Ende nur ein abserviertes und ins Netz gekipptes Projekt von vielen, und es ist ziemlich offensichtlich, dass der Markt im Netz bald ziemlich dicht sein dürfte. 12 Nov 2008 13:45:46 | Blogosphäre,Blogs vs. Journalismus Zuerst mal: Ich arbeite generell nicht mehr so viel im Journalismus, dafür eher woanders. Und wenn ich mir die Lage des Journalismus so anschaue, bin ich ganz froh über diesen teilweisen Ausstieg. Grob gesagt stehen die Kollegen gerade vor der Wahl, Einkommenseinbussen durch billigere Arbeit zu akzeptieren, oder Einkommenseinbussen durch weniger halbwegs gut bezahlte Arbeit, oder Einkommensstagnation durch mehr Arbeit und Selbstausbeutung. Alle drei Alternativen sind schlecht, und wem sie nicht passen, für den gibt es auch noch die Arbeitslosigkeit. Das, was dem Vernehmen nach 300 Mitarbeitern der WAZ-Gruppe droht. In einer Region, in der die WAZ mit ihren Blättern Monopolist ist. In dieser unschönen Lage, 30 Millionen Euro Einsparvorgaben zu haben, hat die WAZ jetzt ein neues Konzept für ihre Printtöchter vorgestellt, das man grob mit Onlinestrategie für Print umschreiben könnte - konktret wird es für alle einen zentral erstellten Mantel geben: Der Content-Desk Der Content-Desk liefert für In- und Ausland, Wirtschaft, Sport, Kultur, Vermischtes und Fernsehen qualitativ hochwertigen Content an die Titel von NRZ, WAZ und WR. Die früheren Ressorts der drei Titel werden ersetzt durch Newsdesks für Politik, Wirtschaft, Sport, Kultur und Vermischtes/Fernsehen. Jeder Newsdesk hat einen eigenen Chef (= Ressortleiter). […] Der Westen gewinnt durch die neue Struktur einen unvergleichlichen Content sowohl in Geschwindigkeit als auch Kompetenz. Durchgängig gilt für alle Redaktionen: Online first. Das ist so ähnlich wie das Konzept des gemeinsamen, mit einem zentralen Newsdesk bestückten Onlineportals “Der Westen”, diesmal nur auf Papier und mit unterschiedlichen Zeitungsnamen und Lokalteilen. Das wird ohne Zweifel billiger. Aber besser? “Der Westen” war etwas, das man ohne Zynismus als misslungene Zangengeburt bezeichnen kann, mit lachhaftem Bloggestümper und windigen Löhnen. DerWesten ist zwar besser als die alten Webseiten der Einzelredaktionen, für sich genommen und im Vergleich mit anderen Nachrichtenportalen eher drittklassig. Dass man die Notwendigkeit verspürt, Nutzer über Google Ads “einzukaufen”, ist das eine; dass man mit unter 5 Millionen Visits pro Monat (oder 160.000 pro Tag) bei den 5 Millionen Einwohnern des Ruhrgebiets nur einen Bruchteil mit dem Portal erreicht, das andere. Das selbst gesteckte Ziel, der zentrale Anlaufpunkt für die Region im Internet zu werden, hat man damit verfehlt, aus der geplanten Community wurde sehr wenig, und soweit ich sehe, hat man auch das nutzerbasierte Geotagging, das eine heisse Sache werden sollte, gekippt. Die Einbindung der lokalen Nachrichten ist bis heute rudimentär, um es höflich auszudrücken. Sprich: Die WAZ hat bereits ein Beispiel für einen nicht funktionierenden Zentralapparat, wie er geplant ist - im eigenen mauen Internetprojekt. Der soll jetzt auch vorrangig bedient werden, mit all den eher fragwürdigen Folgen für Recherchetiefe und Qualität, die das schnelle Raushauen im Internet so mit sich bringt. So kann man natürlich Geld auf allen Ebenen sparen, aber bitte nicht wundern, wenn am Ende “DerWesten” ausgedruckt wird - für den Bruchteil der Regionenbewohner, die für den Schrott zu zahlen bereit sind, den DerWesten heute schon kaum an den Mann bringen kann. 11 Nov 2008 11:49:20 | Blogosphäre,Blogs vs. Journalismus Ich finde diese Diskussion hier etwas unfair und meine, dass sich das Blog erstmal entwickeln muss. Ein Problem ist sicherlich der so vor sich her getragene hohe Anspruch, aber wie es wirklich wird, weiß man doch nicht nach 10 Tagen sondern erst nach einem halben Jahr. Ich könnte nochmal ganz anders. In meiner virtuellen Schublade liegen haufenweise Aufrechnungen alter kommerzieller Bloghirngespinste, die man eigentlich noch mal besichtigen müsste. Um zu zeigen, was da draus wurde. Ein Typ, der seine Platte mit Blogs in die Charts bringen wollte. Zwei Typen, die ein Dauerwerbeblog zum Erfolg bringen wollten. Das ganze Elend von Derwesten und Zoomer, mitgemacht von bekannten deutschen Bloggerinnen, die den Mund in Sachen Internet gern voll nehmen, und die man mal an ihren Taten messen könnte. Burdas Lachnummern in Bewegtbild und Blogcommunity - wollten die bei Blog.de nicht im Herbst was ganz Grosses, Werbemässiges machen? Oder wie war das nochmal mit dem grosskotzig vermeldeten, allseits verlinkten Aufruf von Adical/Adnation/Lobo, sich für das Cebit-PR-Blog als Berufs-Twitterer zu melden? Wenn man sowas macht, kann man sich sofort an den Rechner setzen und beginnen, die Hilfstruppen solcher Knilche rauszulöschen. Ziemlich viele Leute haben ein paar Freunde, die anonym, mit falscher Email und Namen schnellstens mit der persönlichen Schiene bei der Hand sind. Das beginnt im Kieler Hafenschlamm und endet bei einem Scienceblogs-Mitarbeiter, der für sein Getrolle mal schnell eine andere Identität annimmt. Das ist nicht neu, das gibt es hier seit dem Tag, als sich der Journalist Stefan Niggemeier offensichtlich von einer Relativierung seiner Thesen zur Netzeitzung belästigt fühlte. Aber es nervt. Es nervt, weil es im Ergebnis fast nur Bauchpinseleien gibt, Features zum Start und Lob zum Wagnis, aber keine Debatten über Probleme bei der Umsetzung, Scheitern und Versagen. Das muss man nicht machen, um die anderen zu beleidigen; das kann schlichtweg auch eine banale Fehlersuche sein, die bessere Wege aufweist. Es wird gerade viel darüber gejammert, dass Blogs in einer Stagnation sind, statt zu fragen, warum das eigentlich so ist. Natürlich gibt es Grenzen des Wachstums, aber genauso gibt es Fehlentwicklungen, falsche Vorstellungen und Projekte, deren Scheitern eine ganze Menge Vertrauen zerstört haben - gemeinhin von Typen, denen es erklärtermassen scheissegal ist, weil das nächste Projekt von selbst kommt und man das Thema so lange reitet, bis was Neues da ist. Wichtig ist es nur, von der Fanbase als Säulenheiliger, als cool und bewundernswert betrachtet zu werden, in diesem “Ich mach Euch alle reich wir gegen Bild und die Medien und für die bessere Welt”-Kosmos, in dem sich das zwischen den Fleischtöpfen der Burdas und den PR-Aufträgen dummer Verlage abspielt. Mir ist das Fortkommen der sich talentiert fühlenden Malte Weldings dieser Welt egal, aber dieser Sektor der Blogger, die mit dem Schreiben im Netz irgendwo hin will, bastelt jetzt seit 4 Jahren an dem Thema, und über den traurigen Stand der Dinge machen sich wohl auch die Beteiligten keine Illusionen, wenn sie in einer klaren Stunde mutmasslich mal wieder den Frust kriegen bei der Vorstellung, bis zur Pension die Bild und andere Medien nach Fehlern absuchen zu müssen, um ihr Blog zu betreiben. Dieser Sektor ist seit vier Jahren in einer Sackgasse, und steht jetzt vor einer massiven Werbe- und Wirtschaftskrise. Statt der allfälligen Bejubelung immer neuer Projekte mit dem immer gleichen vorhersehbaren Rumdümpeln wäre eine Fehleranalyse mal wirklich fein. So in der Art: Mach erst mal was Gutes, ohne gleich vorher Ansprüche zu formulieren, an denen du scheiterst. Mach keine falschen Versprechungen. Überlege dir Ziele, die erreichbar sind. Aber dazu müsste man sich erst mal von den gegenseitlichen Bauchpinseleien lösen, dem frühen Lob der Unternehmung später eine angemessene Revision folgen lassen, gar innerhalb des Berliner Netzwerkes ein paar ehrliche Dinge sagen und einen Bruchteil so schonungslos sein, wie man die Kritik gegenüber den Medien formuliert. 06 Nov 2008 23:43:38 | Blogosphäre,Blogs vs. Journalismus Ich wurde von ein paar Leuten gebeten, etwas über das neue Gemeinschaftsblog Carta zu schreiben. Na gut. Schauen wir uns an, was die über sich selbst sagen. Obwohl, “sagen” darf man da nicht sagen, sondern eher: Kommunizieren. CARTA ist ein Netzwerk-Syndikat für Analyse und Meinungsbildung. Die Online-Publikation verknüpft die Beiträge seiner dezentral organisierten Autoren mit Verweisen auf die relevantesten Inhalte aus dem Internet. CARTA ist dezentrales, digitales Op-Ed. CARTA ist Filter und Produzent, Meta- und Mehrautoren-Blog. CARTA sieht im selbstbestimmten Öffentlichkeitszugang von eigenständig publizierenden Experten, die auf Basis von Hintergrundwissen und komplexen Weltbildern interpretieren und analysieren, eine entscheidende Ressource für die Steigerung des Niveaus aktuell-gesellschaftlicher Informationsverarbeitung. CARTA verweist offensiv auf andere Online-Publikationen und nutzt damit den Netzwerkcharakter des Internets. CARTA ist überparteilich und unabhängig. CARTA ist den Normen des Qualitätsjournalismus verpflichtet. CARTA ist zuallererst Dienstleister für seine Autoren. Es nimmt ihnen die Unwägbarkeiten der Online-Publizistik ab und bietet ihnen den gesicherten Aufmerksamkeitsrahmen einer hochwertigen Medienmarke. Man kann es nie wissen, aber selbst für mich, der ich qua Bildung, Tätigkeit, Interessen und Einkommen ziemlich gut in die Zielgruppe von Carta passen würde, ist mir das zu viel Anspruch in zu grossen Worten. “Ambitious”, würde der grosse englische Bewegungsphilosoph Jeremy Clarkson sagen, “but rubbish”. Anspruchsvoll, aber Mist. Ganz ehrlich: Ich will nicht so steif und förmlich angesprochen werden, so ehrfurchtsheischend und von oben heran. Allein ein Begriff wie die für Carta in Anspruch genommene “Steigerung des Niveaus aktuell-gesellschaftliche Informationsverarbeitung” trägt in seinem neologistischen Bombast ganz sicher zu diesem Ziel bei. Wenn der Link zur Profilseite einer Autorin dann noch dieses Ergebnis ausspuckt: Nicht gefunden, Fehler 404 Die Seite, die Sie suchen, existiert nicht. hätte man den Machern vielleicht etwas mehr Planung und Sorgfalt gewünscht, bevor sie sich mit solchen Ansprüchen zur Unzeit exponieren. “Beta” steht über dem Titel, aber inzwischen frage ich mich, was an Fehlern und Schlamperei so toll sein soll, dass man es meint branden zu können. Dass man auf der Startseite in der rechten Spalte prominent die Anreisser von Beiträgen andere Medien bringt, die optisch auf den ersten Blick auch die eigenen sein könnten, ist auch nicht gerade prickelnd. Wenn das Projekt dann auch noch genutzt wird, um Eigen-PR zu machen, wundert sich der Leser schon über das Auseinanderklaffen von Anspruch und Wirklichkeit. Normalerweise versucht man in den Medien am Anfang, die Leser mit tollen Geschichten und aufwändigen Reportagen anzufixen und zu halten. Obwohl ich ein Freund der Länge bin, habe ich es nicht geschafft, auch nur einen einzigen Text bei Carta komplett zu lesen. Ich habe nicht den Eindruck, dass mir da jemand etwas erzählen will, und wenn ich einen Dozenten brauche, lese ich Bundestagsdebatten zu Randthemen nach. Was ich damit nicht sagen will ist, dass “Carta” schlecht ist. Ich kann einfach nichts damit anfangen und habe den Eindruck, dass ich angesichts der Diskrepanz zwischen Zielsetzung und Durchführung nicht der einzige sein werde, der diesem Projekt keine Zukunft als deutsche Antwort auf Huffington Post zutraut. Faslcher Anspruch, falsche Autoren, falsche Themen, Null Spass. Bedaure. Mehr fällt mir dazu aktuell nicht ein. 03 Nov 2008 11:31:34 | Blogosphäre,Blogs vs. Journalismus Hilmar Poganatz hat in der Süddeutschen Zeitung einen Beitrag über das Notizbuch Moleskine geschrieben, und darüber, wie sich Blogger für Marketingmärchen einspannen lassen. Internet- und Bloghass in der Süddeutschen ist ja nichts Neues; die Süddeutsche ist Marktführer für Arroganz einerseits und das mieseste Onlineportal einer Qualitätszeitung andererseits. Jedenfalls meint Poganatz, sich über Blogger erheben zu können, schliesslich seien die willfährige Helfer und Konsumdeppen: Klassische Werbung haben die Mailänder noch immer nicht nötig. Blogger kauen die Geschichte im Internet wieder und wieder. […] Am Ende setzt der gleiche Mechanismus ein, der auch die Geschichte rechtfertigt: In der Web 2.0-Generation ist der Kunde aufgeklärt genug, die Tricks der Werber zu durchschauen - und kauft trotzdem das, was ihm gefällt. “Obwohl ich ihr Marketing durchschaue, fällt es mir schwer, mich von den starken Gefühlen zu lösen, die es heraufbeschwört”, gibt ein Blogger zu. “Ich habe gelesen, dass die Moleskine-Legende Fiktion ist”, schreibt ein weiterer Fan: “Umso besser!” Wo Ponagatz das gefunden hat, schreibt er natürlich nicht. Er schreibt übrigens auch nicht, wo er das hier gefunden hat: Francesco Franceschi, der frühere Chef der Firma, hat die Antwort auf diese Frage längst gegeben: “Das ist Marketing, keine Wissenschaft. Es ist nicht die absolute Wahrheit.” Das hat Ponagatz wie einige andere Ideen und Abschnitte aus einem grösseren Beitrag des International Herald Tribune abgeschrieben, natürlich ohne die Quelle zu nennen: “It’s an exaggeration,” conceded Francesco Franceschi, who runs Modo & Modo’s marketing department. “It’s marketing, not science. It’s not the absolute truth.” Dass Ponagatz nicht selbst mit Franceschi gesprochen hat, ist offensichtlich, schliesslich hat er noch nicht mal dessen Stellung in der Firma richtig erfasst. Und auch in der Brand Eins findet sich ein sehr viel älterer Beitrag zum gleichen Thema, der eine Menge Ähnlichkeiten mit der, sagen wir mal, apokryphen Schreiberei in der Süddeutschen hat. Aber über unkritische Blogger herziehen, die alles glauben. 29 Oct 2008 15:22:36 | Blogosphäre,Blogs vs. Journalismus Na? Betroffen von der Wirtschaftskrise? Trudeln gerade die Abokündigungen ein? Schreiben Sie gerade die Entlassung des Werbevermarkterdödels raus, dessen Agenturschnuffi schon letzte Woche gehen musste? Oder geniessen Sie waz das Gefühl, ein paar hundert Minderleister verschnarchter Lokalteile zu entsorgen? Oder glauben Sie auch, dass Ihre Zukunft irgendwas mit diesem Internet zu tun haben könnte? Gleichzeitig will Ihnen Holtzbrinck aber nicht StudiVZ verkaufen, und ihre eigene Partybildcommunity läuft auch nicht besonders? Am Ende denken Sie vielleicht noch, dass man was Modernes machen könnte, mit Anspruch und Qualität, und im Internet ein wenig mehr ausgeben könnte als die Konkurrenz, um nicht genauso blöd, sondern besser zu sein? Und Sie wollen auch nicht mitspielen, in Schlamm und Schleim um den Gossenpokal des Spiegel-Online-Kopie-Award? Falls dem so ist: Ich hätte da fünf Ideen, die Sie als typischer deutscher Verleger mit Ihrem Hang zur Bevorzugung interner Seilschaften und Ihrer Vermeidung unnötiger Kosten klauen und vielleicht sogar mit etwas Erfolg nachäffen könnten, wenn Sie Depp schon zu blöd sind, sich das Talent dort zu holen, wo es ist: 1. Für die Wirtschaft FTalphaville. Alphaville ist so gut, so bissig, so respektlos und so schnell, dass man nicht glauben möchte, die Mama wäre die verschnarchte Financial Times. Einen mässigen Kopieversuch gibt es schon, aber staubtrocken, öde und weitgehend von Leuten ohne Insiderwissen geschrieben. Das geht besser. 2. Für einen Kulturteil Moreintelligentlife. Und zwar bitte genauso offen und ohne nervige Overlaywerbung und lange Texte und Sätze und viele gute Autoren. Nicht die strukturellen Analphabeten aus ostdeutschen Pseudounis, die sie sonst im Internet verheizen, wo es keinem aufzoomert äh auffällt. Dann klappt es auch mit der vermögenden Zielgruppe. 3. Für den Sport Allesaussersport. So geht das mit dem Liveticker, der Vorschau und dem Medien- und Wirtschaftshintergrund von Sport. So. Respektlos, direkt, ehrlich, frei vom üblichen Gemauschel. 4. Für das Lokale die Ruhrbarone. Gut, vielleicht etwas mehr noch, und noch etwas weiter runter auf die lokale Ebene. Aber prinzipiell schon mal gut, wenn es nicht so ein Clusterfuck zwischen Lokalpolitik und Lokalredaktion ist. Es geht um die Leser und nicht um die Arschkriechereien; das mag sich im Lokalteil revolutionär anhören, aber es könnte klappen. 5. Für das Kochen und Geniessen die Anonymen Köche. Keine synthetische Hausfrauengommjunidie wie Küchengötter oder BonGusto oder was Consultants sonst noch für teures Geld an Langeweile produzieren. Und wenn Sie es schon klauen: Schauen sie sich das Portal “DerWesten” und hier besonders die Blogs an. Das sollte, als es geplant wurde, in die gute Richtung gehen. Machen Sie ALLES anders. Übernehmen Sie von denen NICHTS. Basteln Sie keinen Ehrensenf und keinen Spreeblick und anderes Zeug für hypig-nervige Cliquen. Dann könnte es vielleicht sogar was werden mit Ihrer Onlinemarke. 27 Oct 2008 23:17:59 | Blogs vs. Journalismus Frisch aus den Kommentaren gefischt und dortselbst gelöscht: Die Kombination aus qualitativ minderwertiger Recherche und Kommentarspam: Hallo, arbeite an einem Artikel für die ************ über mögliche Probleme, die Auftritte (Fotos, persönliche Vorlieben) in Online-Portalen, Blog oder ähnlichem nach sich ziehen. Dafür such ich nach Betroffenen, denen im Bewerbungsgespräch irgendwelche Bilder oder andere Internet-Einträge unter die Nase gerieben worden sind. Natürlich kann der Name abgekürzt oder ganz verfremdet werden. Also wenn euch so etwas widerfahren ist, dann meldet euch doch bitte bei: [Emailadresse einer grossen Lokalzeitung] Danke im Voraus! Nichts zu danken. Natürlich ist es nicht immer leicht, an Betroffene zu kommen, aber früher haben Journalisten einen wenigstens angemailt und gefragt, ob man jemanden kennt. Das war zwar auch oft Faulheit, aber auf diese Art bekommt man wenigstens halbwegs vertrauenswürdige Informationen. Solche Kommentare sind geradezu eine Einladung, einem Journalisten einen Bären aufzubinden. 24 Oct 2008 21:47:06 | Blogosphäre,Blogs & 038, Companies Es war 2001, im Sommer. Da ging gerade die New Economy den Bach runter, aber viele in München, oder besser, der Munich Area, hatten das noch nicht begriffen. Und in einem der vielen Hypenetzwerke der Stadt, dem FIWM, dessen führende Vertreter sich mit einem Sitz im Internetbeirat des Ministerpräsidenten gross taten, wurde weiter an der Zukunft der E-Wirtschaft gebastelt. Nachdem die Krise dennoch ihre Spuren hinterlassen hatten, trafen sich die führenden Köpfe oder so der Munich Area in der de facto kostenlosen Lothringer 13, und redeten dort über “Content” als Zukunft der Geschäftsmodelle im Internet. Das war just zu der Zeit, als eine Reihe von Content Syndicatoren draufging, aber Klaus Eck - exakt dergleiche, der seit ein paar Jahren als PR-Blogger sein Glück versucht - schnarchte sich damals durch eine lahme Podiumsdiskussion, die er als Leiter des “Arbeitskreis Content Bizz” leiten sollte. Arbeitskreis Content Bizz. So hiess das wirklich. Und es sagt meines Erachtens alles über Klaus eck. Bizz. Mit zwei “z”. Davor jedenfalls hielten zwei junge, schick-dynamische Menschen einen langatmigen Vortrag über eine Studie, die sie an Content-Startups verkaufen wollten. Diese Studie kam zu einem Ergebnis, das wir nicht erst im 2008er Rückblick auf viele gescheiterte Zahlinhalteversuche als “durchgeknallt” bezeichnen dürfen, ich zitiere: Bisher galt aber für alle: Content ist zunächst einmal kostenlos! Grund genug für viele Verlage, Journalisten und Redaktionsbüros sich nach der fortwährenden Pleite der werbe- oder bartering-finanzierten Sites aus der Online-Vermarktung ihrer Inhalte zurückzuziehen. Oder nach Möglichkeiten zu suchen, den Kunden zum Bezahlen zu bewegen doch der will nicht, oder? Mit diesem Vorurteil räumt die aktuelle Studie des Hamburger Marktforschungsunternehmens EarsandEyes auf. Nach ihrer jüngsten Studie ist fast die Hälfte aller User bereit, im Internet zu bezahlen. Solange das Angebot überzeugt. Ich war damals auch dabei, und bohrte öffentlich nach, mit dem Ergebnis, dass gar nicht jeder zweite zahlen würde, sondern nur jeder zweite das bei der Frage ankreuzte, ob er zahlen würde, wenn er zahlen müsste. Das ist ein ziemlicher Unterschied zum “überzeugenden Angebot”, oder? Nachdem ich am nächsten Tag gesehen hatte, mit was für überdrehten Tritratrullala-”Studien” auf Basis welcher mickriger und passend zusammengestöpselten Zielgruppenbasis Earsandeyes zu agieren pfegt - siehe den Irrsinn der “Web-Andachten” - schrieb ich in meinem damaligen Protoblog einen ziemlichen Verriss, der leider nicht mehr online ist. Und wenn die Klitsche jetzt immer noch aktiv ist und irgendwelche Ranglisten bekannter Blogs macht und das mit Prozentzahlen garniert und ihre mickrige Nutzerbasis aus die Internetnutzer hochrechnet - dann bin ich doch etwas schockiert, wie leichtgläubig andere diesen Blödsinn übernehmen. Don´t believe the hype. 22 Oct 2008 18:11:24 | Blogosphäre,Blogs & 038, Companies Yahoo lässt nach enttäuschenden Quartalszahlen 1500 Mitarbeiter weltweit über die Klinge springen. Die tränenreiche Email zur Ankündigung der Grausamkeiten, zusammen mit einem “Tschaka go Web 3.0 Bild” gibt es hier. Weitaus knapper und dürrer gehalten ist dagegen die Pressemitteilung, in der Holtzbrinck den plötzlichen Abgang des StudiVZ-Chefs Riecke vermeldet. Riecke war ja nicht ganz unumstritten, und auch innerhalb von StudiVZ verlief manche Trennung von Mitarbeitern - beispielsweise im gescheiterten Auslandsgeschäft - nicht immer zu aller grenzenloser Zufriedenheit, wie man hört. Ich will mich hier gar nicht gross an Spekulationen beteiligen, aber ein paar Dinge sind offensichtlich: Yahoo und StudiVZ haben gleichermassen Probleme, ihre Besucherzahlen in Einnahmen umzusetzen. Dass es hier 10% der Mitarbeiter und dort den Chef erwischt hat, kann morgen bei beiden Firmen schon andersrum sein. Beide setzen vor allem auf Werbung, und beide bekommen es nicht richtig hin. Da helfen die ganzen tollen Marken nichts. Und mit einer Rezession vor der Tür, die alle die Gürtel enger schnallen lässt, sieht es auch nicht so aus, als würde sich an den mauen Aussichten etwas ändern. Die Frage, was Unmengen an Besuchern mitsamt all der Awareness wert sind, wird wohl nochmal neu diskutiert werden müssen, und zwar ohne die vagen Web2.0-Blütenträume. Auch die Idee, die Nutzer von Plattform A nach Plattform B zu schicken, wie es Holtzbrinck mit Zoomer und Lovelybooks und Yahoo mit Flicks-Nutzern versucht hat, scheint nicht allzu erfolgreich gewesen zu sein. Was also tun mit all den Besuchern, die zu wenig Werbung klicken, von der auch zu wenig vorhanden ist, weil sich alles bei Google konzentriert? Das ist die übergeordnete Frage über all dem kleinlichen Hickhack, in dem sich schlecht laufende Web2.0-Firmen vermutlich aktuell nicht im geringsten von der BayernLB, General Motors und der Bush-Regierung unterscheiden. Es is wias is, sagt man in Bayern. Gelddrucken, wie man früher glaubte, ist jedenfalls was anderes. Wann gibt es eigentlich Entlassungen bei Facebook? 18 Oct 2008 23:01:56 | Blogosphäre,Blogs & 038, Companies Gawker Media betreibt mit Gizmodo, Fleshbot, Gawker, Valleywag, Consumerist und etlichen Spezialblogs das grösste kommerzielle Blognetzwerk in den Vereinigten Staaten. Monatlich verursachen die Nutzer über 250 Millionen Pageviews, und in einigen Nischen ist Gawker eindeutig marktführend. Noch. Denn Gawker-Boss Nick Denton sieht jetzt schon eine Anzeigenflaute auf sein Haus zulaufen und feuert 19 Redakteure der 133 Personen umfassenden Belegschaft. 2009 fallen auch die Bonuszahlungen für erfolgreiche Schreiber weg. Klingt wie aus einer krisengeschüttelten Regionalzeitung als Kansas, ist aber lange Zeit als das heissester Ding im Journalismus gehandelt worden, und hat international viele, noch weniger erfolgreiche Nachahmer gefunden. Bequemerweise gibt es die Kreditkrise, mit der Denton dieses Vorgehen begründen kann. Es gibt unter Beobachtern die Theorie, dass alles unter der Krise leiden wird, Onlinewerbung jedoch nur gebremst weiter wächst. Damit wäre die Kreditkrise keine Gefahr für Startups, Profiblogger und Web2.0. Mal abgesehen davon, dass Web2.o von den Communities über Adnation bishin zur Gestöpselei von Zooomer bis derwesten nicht den Eindruck macht, als sei es bei der Wirtschaft weitgehend akzeptiert und beliebt: Lege ich meine Erfahrungen aus der New Economy zuugrunde, werden wir über Weihnachten noch viele andere schnelle Rückzieher erleben. Und wer bleibt, wird von den Geldgebern sicher bald gefragt werden, ob man nach all dem Wachstum nicht bitteschön mit dem Geld verdienen anfangen könnte. Ich denke, das wird dann eher schwer. Sehr, sehr schwer. 13 Oct 2008 17:21:29 | Blogosphäre,Blogs vs. Journalismus Der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften ist kein echter Nobelpreis und wurde nicht von Nobel gestiftet. Und der Wirtschaftswissenschaftler Paul Krugman bekam diesen Preis auch nicht für sein scharfzüngiges und recht unwissenschaftlich gehaltenes Blog bei der New York Times. Sondern für seine Analysen der Marktgewohnheiten. Trotzdem ist es toll, dass man im Blog eines Nobelpreisträgers einfach so seine ungeschminkte Meinung zum Tagesgeschehen nachlesen kann. Und kommentieren. Jemand, der besserBescheid weiss als Journalisten, und dieses Wissen auch noch besser vermitteln kann. Da hat die New York Times nicht nur einen guten Blogger angeheuert, sondern auch gleich einen Hoffnungsträger, den dieses Blatt in diesen schweren Zeiten gut brauchen kann. Ich denke, den witzigen, klugen und bodenständigen Krugman lesen kann auch bei der Erkenntnis helfen, warum sowas “Eva Rother ist Medizinerin und erforscht am Institut für Genetik der Universität zu Köln die Ursachen für Übergewicht und Typ-2-Diabetes: In Versuchen mit Mäusen identifizierte sie das Areal im Gehirn, das den Tieren signalisiert, ob sie satt oder noch hungrig” (http://www.scienceblogs.de/for-women-in-science/200 8/10/preistragerin-dr-eva-rother-im-interview.php) zu lesen in Burdas Scienceblogs, nie nie nie etwas werden wird. 09 Oct 2008 08:25:44 | Blogosphäre Ich fände es nett, wenn man in Zukunft darauf verzichten könnte, Listen von Blogs vorzulegen, die bei Google vorteilhafte Rankingzahlen aufweisen. Ich glaube nicht, dass es die meisten Blogbetreiber juckt - ich selbst habe es beispielsweise nur “aus den Medien” erfahren. Aber seitdem jemand so eine Liste gemacht hat und die unter Vertretern windiger Geschäftstätigkeit im Netz kursiert, kommen hier wieder mal zu viele handegschriebene Spamkommentare rein. Leute, die filme-bluray.de bewerben, oder ihr aus Rabatthinweisen, Firmen-PR oder Druckerpatronen angeboten bestehenden Pseudoblogs mit zwei windigen Texten ins Gespräch bringen wollen, sind hier nicht willkommen, und das Rauskratzen ihrer Einlassungen geht schneller als das Absetzen. Manchmal frage ich mich, ob irgend so ein abgefuckter Pseudoberater an die armen Schlucker des Netzes sowas wie einen Leitfaden “Blogger lieben Ihre Hinweise!” vertreibt. Falls ja: Ich wünsche ihm eine Seuche an den Hals, die so unangenehm ist, wie das in die Kommentare schleimende Pack. 03 Oct 2008 17:06:35 | Blogosphäre,Blogs vs. Journalismus Es gibt Beiträge, von denen man nicht denkt, dass man sie je schreiben würde. Und es gibt Beiträge, die man keinesfalls schreiben möchte. Dieser Beitrag gehört, da ich eine sehr hohe Meinung vom Handelsblatt als Wirtschaftszeitung habe, in beide Kategorien. Neben dem bekannten Blogger Thomas Knüwer hat das Handelsblatt auch einige weniger berühmte Blogs, wie etwa das von Bernd Ziesemer, das mit jedem hingeschlonzten Beitrag massiv zu meinem nachlassenden Respekt für das Handelsblatt beigetragen hat. Ein anderes Blog beschäftigt sich mit Makroökonomie und ist vom externen Wirtschaftswissenschaftler Harald Uhlig verfasst. Nun ist der Markt der Makoökonomieblogs im Zuge der Finanzkrise sehr voll geworden, und dort wird allgemein sehr deutlich über die Lage an den Märkten gesprochen; im Gegensatz zu den Mainstreammedien, die oft und gerne die Lage ihrer anzeigenschaltenden Kunden beschönigen. Letzte Woche hat auch Harald Uhlig in seinem Handelsblatt-Blog ein ziemlich deutliches Stück geschrieben, das sich mit der Sicherheit der Bankeinlagen in Deutschland beschäftigte: Wenn Sie ein grösseres Konto bei der Commerzbank oder der von ihr geschluckten Dresdner Bank oder UBS oder Fortis haben, so sollten Sie froh sein. Denn noch können sie dort ihr Geld abheben: in aller Ruhe und ohne Schlange zu stehen. Die Einleger scheinen nämlich Nerven aus Stahl zu haben, und das ist gut so. Bisher ist ein bank run auf diese Institutionen ausgeblieben, und dabei könnte es auch bleiben. Dabei stehen die Zeichen schon lange an der Wand. Die Dresdner Bank hat sich mit ihrem K2 Fond verspekuliert, und war schon lange das Sorgenkind der Allianz. Die Chinesen wollten die Dresdner nicht: nun hat die Commerzbank sie geschluckt. Mittelfristig sicher eine gute Idee man kann im gemeinsamen Filialgeschäft viel sparen aber kurzfristig ist das ein schwer verdaulicher Brocken, und die Risiken sind da. Die Aktie der Commerzbank hat seit Juli 2007 fast 60 Prozent verloren so berichtete die FAZ am Samstag. Ich denke, der Aktienmarkt weiss schon warum. Und sollte es einen run auf die Commerzbank geben, dann ist das Ende der Fahnenstange erreicht. Die Einlagensicherung des Bankenverbandes der Privatbanken ist nach dem Lehmann-Untergang so gut wie pleite. Harter Stoff, aber durchaus im Rahmen dessen, was auch andere Blogger in Deutschland gerade diskutieren. Ich kann diesen Beitrag, der meines Erachtens keine falschen Tatsachenbehauptungen enthält und nach allen journalistischen Regeln sauber ist, und der ausspricht, was die Märkte schon länger besprechen und bewerten, jedoch nur im Google-Cache verlinken. Denn der Beitrag ist verschwunden. Gelöscht hat ihn das Handelsblatt: Mein letzter Blog-Eintrag vom Sonntag wurde von der Redaktion des Handelsblatts gelöscht und ist daher hier nicht mehr verfügbar. Ich habe versucht, gegenwärtigen Ereignissen meine eigene Interpretation zu geben, die man teilen mag oder nicht oder die man sonstwie bewerten mag. Es ist meine feste Auffassung, daß die ungefilterte Interpretation (ausgeschlossen Beleidigungen etc.) und die Diskussion darum mit den Lesern die Kernfunktion eines funktionierenden Blogs ist. Aufgrund dieses Prinzips habe ich keinen Beitrag meiner Leser gelöscht, es sei denn, es handelte sich offensichtlich um Spam. Aufgrund des gleichen Prinzips habe ich mich daher entschlossen, daß mir kein anderer Weg bleibt als die Bitte an die Handelsblatt-Redaktion, meinen Blog zu schließen. Und das finde ich persönlich eine wirklich ganz harte Nummer. Das Verhalten des Handelsblatts gegen einen Blogger und zugunsten der Objekte der eigenen Berichterstattung ist nun wirklich etwas, das ich als Zensur bezeichnen würde, eine Schande für das Handelsblatt. Angesichts des Drecks, den andere Abteilungen des Holtzbrinckkonzerns dulden und verbreiten, ist es eine ganz miese Nummer. So leid es mir tut. (via)
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