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Kritische Notizen über eine große deutsche Boulevardzeitung

Subscribe | Retrun to feeds | Users subscribed: 68 | Last Updated: Sep 05 2008, 14:20:52

Thomas Godoj: Aufstand der Fans gegen 'Bild'

05 Sep 2008 13:00:26 | spYri | Vermischtes | Comments

Die Fans von Superstar Thomas Godoj sind stinksauer auf die 'Bild'-Zeitung (56), weil sie behauptet hat, es gebe einen 'Fan-Aufstand' gegen Thomas. Sie wollen sogar die Zeitung nicht mehr lesen.

Recklinghausen – Warum macht sie Thomas' Fans so unglücklich?

Die Boulevardzeitung 'Bild' (56). SIE hat geschrieben, dass SEINE Fans den 'Aufstand' proben, weil Thomas Godoj niemandem sein 'Babyglück zeigt', seine Freundin Jennifer, die im vierten Monat schwanger ist, sogar Monate lang verheimlichte.

Jetzt proben Thomas' Fans den Aufstand gegen die 'Bild'-Zeitung! Auf Thomas' Homepage (www.thomas-godoj.de) reagieren viele wütend.

Auszüge aus den Fan-Foren: 'Leute, lest solche Zeitungen nicht!!!' Oder: 'War doch klar, dass die BLÖD die paar negativen Meinungen jetzt groß hervorheben muss. Die Tatsache, dass sich der größte Teil freut, wird einfach weggelassen, weil langweilig. Mit Skandalen macht man eben Geld.'

Ein anderer schreibt: 'Aber wie war das? Wir sollten solche Zeitungen ja eh nicht lesen. Hätte nie gedacht, dass Thomas damit mal SOWAS von Recht hat…'

Viele Fans bemitleiden außerdem die 'Bild'-Reporter, schreiben: 'Schade, dass manche Menschen so ihr Geld verdienen müssen!' Einer beleidigt die Journalisten sogar, pöbelt: 'Der BILD Forentroll….schnüffelt rum…..'

Und viele sind besorgt, weil so viele Menschen die 'Bild'-Zeitung lesen und ihre Geschichten von anderen Medien ungeprüft übernommen werden: 'Man sollte dieses Blatt einfach ignorieren.'

Mit Dank an Christian H. für den sachdienlichen Hinweis.


'Bild' hilft im Fall Michelle wenig II

03 Sep 2008 17:37:18 | spYri | Vermischtes | Comments

Die 'Leipziger Volkszeitung' ('LVZ') hat ein Interview mit dem Leipziger Polizeipräsidenten Horst Wawrzynski 'über die Fahndung nach Michelles Mörder' geführt. Er beantwortet darin Fragen zum Ermittlungsstand, zur Vorgehensweise der Polizei, zur Nachrichtensperre oder zur Notwendigkeit Ermittlungsdetails geheim zu halten.

Die 'Bild'-Zeitung wird darin nicht namentlich erwähnt:

['LVZ':] Manche Berichterstattung dürfte jedoch auch pure Spekulation sein und weniger auf konkreten Quellen beruhen.

[Wawrzynski:] Auch das behindert uns enorm. Wenn wir wegen eines immer wieder veröffentlichten Phantombildes, das mit dem Fall Michelle überhaupt nichts zu tun hat, sogar Hinweise aus Saarbrücken und sonstwoher bekommen, müssen wir dortige Dienststellen einschalten oder selbst zur Befragung Beamte schicken. Oder aber es wird uns eine angeblich wichtige Zeugin per Presse präsentiert, deren Beobachtungen dann aber nichts als heiße Luft sind. Mit dieser Art unseriöser Berichterstattung werden die Bürger verdummt, weil es schlichtweg nichts mit der Realität zu tun hat.
(Links von uns)


Bild.de trägt zu dick auf

03 Sep 2008 16:56:12 | Hobbes | Merkwürdiges | Comments

Manche Kriminalfälle könnten direkt aus einem schlechten Film stammen: Ende Juli wurde die libanesische Popsängerin Suzanne Tamim in Dubai ermordet. Am 10. August wurde der frühere Polizist Mohsen al-Sukkari als Tatverdächtiger festgenommen.

Am Tatort hatte die Polizei offenbar Indizien gefunden, die darauf hindeuteten, dass ein 'unfassbar reicher ägyptischen Geschäftsmann' und Ex-Geliebter der Sängerin den Mord in Auftrag gegeben haben könnte. Gestern dann wurde der ägyptische Milliardär Hisham Talaat Moustafa festgenommen.

Nochmal: Er soll den Mord beauftragt haben, wie zahlreiche Medien übereinstimmend berichten.

Nur für Bild.de ist das Ganze offenbar zu kompliziert:

Ende Juli wurde die libanesische Pop-Sängerin Suzan Tamim († 31) grausam ermordet. Jetzt hat ihr mutmaßlicher Mörder ein Gesicht: Verdächtigt wird der ägyptische Unternehmer Hisham Talaat Mustafa. Er soll in ihre Wohnung in Dubai eingedrungen sein, die schöne Sängerin grausam zugerichtet und mit mehreren Messerstichen getötet haben. Am Dienstag wurde Hisham Talaat Mustafa festgenommen, wie die Staatsanwaltschaft in Kairo mitteilte.

Dabei hatte Bild.de doch gestern selbst noch berichtet:

Art und Ausführung der Bluttat deuteten auf einen Auftragsmord hin.

Mit Dank an Govinda G., Peter R. und Jacob für den Hinweis.


'Stoppen Sie voyeuristische Berichterstattung!'

02 Sep 2008 14:47:56 | spYri | Grob Fahrlässiges,Privates,Leser-Reporter | Comments

Ja, das hier links ist tatsächlich ein Ausriss aus der 'Bild'-Zeitung. Georg Kardinal Sterzinsky hat beim gestrigen Medienempfang des Erzbistums in Berlin unter anderem die 'Bild'-Zeitung kritisiert – und 'Bild' berichtet unter der Überschrift 'Erzbischof Sterzinsky kritisiert Medien' darüber. Das ist ungewöhnlich für 'Bild'.

Anlass für Sterzinskys Kritik war die Veröffentlichung eines Leser-Reporter-Fotos, das einen geistig verwirrten, nackten Mann zeigte, der mitten am Tag auf allen Vieren über eine Kreuzung kroch (wir berichteten). 'Bild' hatte das Foto 'garniert mit zynischen und ehrabschneidenden Kommentaren', wie Sterzinsky es in seiner Rede ausdrückte (siehe Kasten).

Aus Sterzinskys Rede

'Aber warum dann immer wieder einzelne Entgleisungen – wie jüngst, als ein Verwirrter, der nackt durch die Straßen Berlins kroch, sich in grob kompromittierender Weise in der Zeitung wiederfand, garniert mit zynischen und ehrabschneidenden Kommentaren. 'Die Wahrheit über den Menschen bekannt gemacht?' – Meine Bitte an die Verantwortlichen des Boulevard-Journalismus: Stoppen Sie voyeuristische Berichterstattung! Beenden Sie den Unsinn, Sensationslust und niedere Instinkte durch das fragwürdige Handwerk sogenannter 'Fotoreporter' zu bedienen!'

Offenbar in der Absicht, die Berichterstattung zu entschuldigen, anstatt sich für sie zu entschuldigen, schreibt 'Bild' zu Sterzinskys Vorwurf:

Das Gesicht des Mannes war nicht erkennbar. Eine Nachfrage bei der Feuerwehr, ob in der fraglichen Zeit eine hilflose Person in Neukölln aufgegriffen und ins Krankenhaus gebracht wurde, wurde damals verneint. Am Tag nach der Veröffentlichung berichtete der 'Tagesspiegel', dass es sich bei dem Mann um einen geistig Verwirrten gehandelt hatte.

Demnach rechtfertigt also die Tatsache, dass 'Bild' keinerlei Ahnung hatte, was genau mit dem verwirrten, nackten Mann los war, dass 'Bild' sich über ihn lustig machte, öffentlich zur Schau stellte und als mutmaßlichen 'Puffgänger' verunglimpfte, der zu viel 'Schampus intus' hatte.

Das ist dann wieder nicht so ungewöhnlich für 'Bild'.


'Bild' hilft im Fall Michelle wenig

02 Sep 2008 10:10:44 | spYri | Vermischtes | Comments

Es sieht ganz so aus, als habe die 'Bild'-Zeitung es nun doch geschafft, konkrete Einzelheiten zum Tod der achtjährigen Michelle aus Leipzig zu erfahren. Unter der Überschrift 'Die schreckliche Wahrheit über Michelles Tod' berichtet sie heute über 'das Ergebnis der Obduktion ihrer Leiche' – und zeigt sich sichtlich stolz darüber (siehe Ausriss).

Bei Staatsanwaltschaft und Polizei ist man indes 'entsetzt' über die Berichterstattung, wie 'Spiegel Online' schreibt:

'Wir machen zu dem Obduktionsergebnis keine Angaben', sagte (…) eine Sprecherin der Leipziger Polizei SPIEGEL ONLINE. 'Wir sind aber sehr unglücklich darüber, dass die Nachrichtensperre nicht eingehalten wurde. Uns hat man damit bei der Fahndung nach dem Täter alles andere als einen Gefallen getan.' Die Veröffentlichung sei bei den weiteren Ermittlungen alles andere als hilfreich.

Auch die Staatsanwaltschaft zeigte sich über die Berichterstattung nicht erfreut. (…) 'Die Öffentlichkeit hat natürlich einen Anspruch auf Information, aber gerade in einem Fall wie diesem, in dem sich die Ermittlungen umfangreicher als sonst gestalten, kann eine detaillierte Berichterstattung fahrlässig sein. Abgesehen davon muss man sich fragen: Was tut man der Familie damit an?'

Sowohl Staatsanwaltschaft als auch Polizei seien enttäuscht darüber, dass hinsichtlich der Ermittlungen keine Rücksicht genommen werde, sagte Schulz. 'Details zu bestimmten Tathandlungen können auf einen bestimmten Täter hinweisen – und damit unsere Ermittlungen gefährden.'

Mit Dank auch an bgd, Claudius L., Gila M. und Michael K.


'Bild' liest Spuren in Ermittler-Gesichtern

01 Sep 2008 15:30:51 | spYri | Vermischtes | Comments

Vergangenen Samstag berichtete 'Bild' mal wieder über eine 'heiße Spur' im Fall der getöteten Michelle aus Leipzig. Und zwar bereits auf der Titelseite (siehe Ausriss).

Wie schon zuvor, als 'Bild' von angeblich heißen Spuren schrieb (wir berichteten), handelt es sich auch hier um eine 'Interpretation der 'Bild'-Zeitung', wie ein Sprecher der Leipziger Polizei es uns gegenüber formuliert. Zurzeit sei noch nicht mal sicher, ob die in der Gärtnerei gefundenen Gegenstände überhaupt im Zusammenhang mit dem Fall Michelle stünden.

Und tatsächlich ist wohl der gesamte 'Bild'-Artikel eine einzige große Interpretation:

VERSTECKTE SICH HIER MICHELLES MÖRDER? WURDE DAS MÄDCHEN HIER GETÖTET? (…) Ist das der Tatort?

Aber die 'Bild'-Zeitung gibt sich nicht vollständig mit derlei Gestocher Fragen zufrieden. Sie schreibt auch:

Die grausame Theorie der Ermittler: Der Mörder fesselte dort die kleine Michelle auf den Stuhl, misshandelte sie. Danach schmiss er ihre Leiche in den Fahrradanhänger, um sie in den Ententeich zu werfen.

Was 'Bild' als 'grausame Theorie der Ermittler' bezeichnet, nennt der Polizeisprecher:

Reine Spekulation.

Er halte es für sehr unwahrscheinlich, dass irgendein mit dem Fall betrauter Ermittler der 'Bild'-Zeitung gegenüber diese Theorie geäußert habe. Auch wenn die hohe Aufmerksamkeit der Medien dafür sorge, dass viele Hinweise bei der Polizei* eingingen, so seien spekulative Medienberichte 'grundsätzlich ein Problem', da sie die Ermittlungen behindern könnten.

Und womöglich zeigt der letzte Satz des 'Bild'-Artikels noch am besten, wo 'Bild' die grausame Ermittler-Theorie her hat:

Doch die Gesichter der Ermittler lassen Schlimmes vermuten…

Mit Dank auch an Stephan L.

*) Heute berichtet 'Bild' über eine Frau, die einen 'Verdächtigen' gesehen haben will, 'der auf einem Spielplatz und an einer Schule Mädchen in Michelles Alter angesprochen hat!' Der Mann habe genauso ausgesehen, wie der auf dem Phantombild, das 'Bild' vor einer Woche zeigte. Wie die Nachrichtenagentur AP berichtet, rief die Polizei anlässlich dieser 'Bild'-Geschichte Zeugen 'eindringlich' auf, 'sich mit Hinweisen direkt an die Ermittler zu wenden. Es sei nicht hilfreich, wenn sie sich während laufender Ermittlungen an die Medien wendeten. 'Das macht unsere Ermittlungen nicht gerade einfacher''.


Der E.on-Chef im 'Bild'-Nichtverhör

01 Sep 2008 14:09:27 | spYri | Politisches | Comments

Oliver Santen, Leiter des Wirtschaftsressorts der 'Bild'-Zeitung, hat mal wieder eines seiner bei führenden Vertretern der Industrie so beliebten Interviews geführt. Heute mit E.on-Vorstandschef Wulf Bernotat:

Da ist der 'Stromboss' offenbar ganz einer Meinung mit Wirtschaftsminister Michael Glos, der vor gut drei Wochen in 'Bild' vor einer 'Strom-Knappheit' warnte – und, beinahe möchte man sagen: natürlich, mit 'Bild'-Mann Oliver Santen. Denn schon seine Eingangsfrage lautet:

Deutschland steigt als einzige Industrienation aus der Atomkraft aus. Wie kann die Versorgungslücke geschlossen werden?

Und so geht es munter weiter:

BILD: Drohen Deutschland Engpässe bei der Stromversorgung?

Bernotat: Einduetig ja! (…)

BILD: Ohne Kraftwerksneubauten gibt es keine sichere Stromversorgung?

Bernotat: Richtig. (…)

BILD: Hat Deutschland ein bezahlbares und sicheres Energiekonzept für die Zukunft?

Bernotat: Ganz klar: Nein. (…)

BILD: Laut einem Gutachten dreier Forschungsinstitute sind zukünftig jedoch keine Erzeugungsengpässe zu erwarten. Wie erklären Sie sich diesen Widerspruch zu ihren eben gemachten Ausführungen?

Das Gutachten (pdf):

'Insgesamt sind zukünftig jedoch keine Erzeugungsengpässe (…) zu erwarten. (…) Auch bei einer expansiveren Entwicklung des Stromverbrauchs als hier unterstellt, wird es aus Sicht der Gutachter marktgetrieben nicht zu physischen Kapazitätsengpässen der Stromversorgung kommen. (…) Wegen des niedrigen Beitrags der Windenergie zur gesicherten Leistung ist hier eine zeitlich differenzierte Betrachtung wichtig: (…) Auch hier sehen wir heute und absehbar keine Angpässe.'

Nein, stopp! Die letzte Frage hat Santen dem 'Stromboss' überhaupt nicht gestellt. Stattdessen wollte er lieber wissen: 'Was ist zu tun?', 'Was schlagen Sie vor?' oder 'Was tun Sie, um beim Stromsparen zu helfen?'

Dabei sollte Santen das Gutachten, das zu einem anderen Ergebnis kommt als Bernotat (siehe Kasten), eigentlich kennen. Darauf hatte sich nämlich Glos bereits in der 'Bild'-Meldung von vor gut drei Wochen bezogen. Der Klima-Lügendetektor und zeit.de waren damals beispielsweise der Auffassung, dass Glos' These von der 'Strom-Knappheit' durch das Gutachten nicht gedeckt sei. Entsprechend erwartet auch die Bundesregierung keine Stromlücke.

Aber wenn Santen auch nur irgendeine kritische Nachfrage gestellt hätte, könnte man seine Stichwortgeberei ja womöglich mit Journalismus verwechseln.


Steuerzahlerblut für Münchner Moschee

29 Aug 2008 14:15:40 | spYri | Politisches | Comments

'Bild' berichtet in ihrer Münchner Ausgabe über einen neuen 'Krach um die Sendlinger Moschee':

MÜNCHENS STEUERZAHLER MUSSTEN FÜR DAS BAUGELÄNDE ZAHLEN

(…) Jetzt kam raus: Für den türkischen Trägerverein, dem offensichtlich das Geld ausgeht, musste der Steuerzahler bluten!

Das ist im Grunde korrekt. Der Trägerverein Ditim e.V. war offenbar nicht in der Lage, die für den Erwerb des Baugrundstücks anfallende Grunderwerbssteuer vollständig zu bezahlen. Deshalb musste die Stadt München als Verkäufer des Grundstücks einspringen. 'Das ist gesetzlich so geregelt', schreibt 'Bild' zutreffend. Und lässt wenig später dennoch den 'CSU-Fraktionsvize Hans Podiuk' folgendermaßen zu Wort kommen:

'Ist die Stadt bereit, gegebenenfalls auch anderen Partnern bei Grundstückgeschäften solche Sonderkonditionen auf Wunsch einzuräumen?'

Wer jetzt aber den Untergang des Abendlandes befürchtet und schon überlegt, wie er gegen die vermeintliche Sonderbehandlung des Islams auf Kosten des deutschen Steuerzahlers protestieren soll, der sollte vielleicht noch mal schnell einen Blick in den (ebenfalls konservativen) 'Münchner Merkur' werfen. Dort gibt es nämlich einige genauere Infos zu einem Aspekt, der in 'Bild' lediglich im letzten Satz anklingt:

Scheitert das [Moschee]-Projekt, will sich [Münchens OB] Ude auch die vorausbezahlte Grunderwerbs-Steuer zurückholen.

Im 'Merkur' (und ähnlich in der Münchner 'Abendzeitung') heißt es dazu wesentlich deutlicher:

OB Ude, größter Befürworter der Moschee, (…) betonte, dass für die Stadt kein Nachteil entstehe. Sollte das Projekt scheitern, werde das Finanzamt die Steuern zurückerstatten. Falls die Moschee gebaut wird, müsse Ditim der Stadt das Geld zurückzahlen.

Mit Dank an Hendric S. und politischkorrekt.


Das weltweite Netz der 'Bild'-Informanten

28 Aug 2008 14:25:57 | spYri | Vermischtes | Comments

Dieser geheimnistuerische Satz steht heute am Ende eines 'Bild'-Artikels über die 'Georgien-Krise':

Da fragt man sich als Leser womöglich beeindruckt: Woher weiß die 'Bild'-Zeitung bloß immer solche Sachen? Gute Kontakte zur Luftwaffe, zur NATO und in die Politik?

Oder nutzen die Journalisten bei 'Bild' noch geheimnisvollere Quellen, um an derartige 'BILD-Informationen'* zu kommen?

Mit Dank an Michael F. für den sachdienlichen Hinweis.

*) Wie uns ein Sprecher der Luftwaffe sagt, gebe es auch im Zusammenhang mit der Georgien-Krise keine Luftraumüberwachung, die über die bekannte und seit dem Frühjahr 2004 währende NATO-Mission 'Air Policing Baltikum' hinausgeht.


'Bild' fällt Vorurteil über Michelle Obama

27 Aug 2008 12:32:07 | spYri | Politisches | Comments

Als Michelle Obama am Montagabend in Denver, Colorado als Hauptrednerin den Nominierungsparteitag der demokratischen Partei eröffnete, war der Redaktionsschluss für die Dienstagsausgabe der 'Bild'-Zeitung schon längst vorbei. Laut 'Welt' betrat Michelle Obama nämlich um 20.36 Uhr Ortszeit (4.36 Uhr MESZ) die Bühne.

Aber die 'Bild'-Zeitung nimmt keine Rücksicht auf die Zeitverschiebung – schließlich nimmt die Zeitverschiebung ja auch keine Rücksicht auf die 'Bild'-Zeitung. Und so konnten 'Bild'-Leser trotzdem (unter einem Foto, das offenbar einige Stunden vor der Rede aufgenommen wurde) bereits aus der Dienstagsausgabe erfahren:

Das war nicht schlecht geraten, wie man im Nachhinein sagen kann. Allerdings fragt man sich schon, ob das die Art von 'Informationsvorsprung' ist, die 'Bild' ihren Lesern verspricht.

Mit Dank an Michael H., der’s im ZDF-Morgenmagazin gesehen hat.


Klitschko, Kurkova und das geflunkerte Funkeln

26 Aug 2008 14:31:11 | Clarissa | Unsportliches,Vermischtes | Comments

Man muss dazusagen: Sonderlich transparent ist die Formulierung nicht, mit der die aktuelle Ausgabe des Magazins 'Vanity Fair' die Situation beschreibt, in der ein Doppelinterview mit Wladimir Klitschko und Karolina Kurkova entstanden ist. 'Vanity Fair' hatte die beiden für ein Fotoshooting engagiert und schreibt:

Doch nachdem das Doppelinterview kürzlich bereits für Bild.de ein Thema war (wir berichteten), berichtet heute auch die gedruckte 'Bild'-Zeitung (siehe Ausriss).

Genauer gesagt, nimmt 'Bild' die gestellten 'Vanity Fair'-Fotos zum Anlass, Klitschko (vielleicht zu Recht, vielleicht auch nicht) zu unterstellen, er sei in Kurkova 'verknallt' – und das 'K.O. durch Liebe?' endet mit den vielsagenden Worten:

Wie ihre Lebensphilosophie lautet, wurde Kurkova mal* gefragt. Ihre Antwort:

Offenbar jedoch gilt Kurkovas Lebensphilosophie auch für 'Bild'-Reporter Thomas Dierenga. Denn als Kurkova ihr 'Alles ist möglich' sagte, saß Klitschko in Wirklichkeit ungefähr 6000 Kilometer 'daneben': Nach unseren Informationen ist die 'Vanity Fair'-Formulierung, man habe die beiden 'getrennt (…) befragt', nämlich durchaus wörtlich zu verstehen (sie in New York, er in Hamburg).

Aber bestimmt fantasiert sich 'Bild'-Mann Dierenga nur dann was zurecht, wenn es – wie hier – im Grunde schnurz ist, ob’s stimmt.


'Bild' (er)findet 'heiße Spur' im Fall Michelle

25 Aug 2008 12:47:33 | spYri | Vermischtes | Comments

Vier Tage ist es her, dass die Leiche der 8-jährigen Michelle aus Leipzig gefunden wurde. Und die Polizei weiß noch nicht, wer Michelle getötet hat. Für die 'Bild'-Zeitung ist das offenbar ein unerträglicher Zustand.

Schon am vergangenen Samstag berichtete sie, die Polizei habe eine '1. heiße Spur'. 'Bild' veröffentlichte auf der Titelseite das Phantombild eines Mannes, nach dem die Polizei angeblich 'fahndet' und schrieb groß darüber:

'Bild' sparte auch nicht mit Details, die sie aus 'Ermittlerkreisen' erfahren haben wollte. 'Zwischen Michelle und ihrem Killer' habe es 'einen Kampf' gegeben, schrieb 'Bild'. 'Haarbüschel' seien gefunden worden, und Michelle habe 'blaue Flecken am Körper'.

Gestern verhängte die Polizei eine Nachrichtensperre, weil in den Medien über sogenanntes 'Täterwissen' berichtet wurde. Dazu gehört unter anderem, dass blaue Flecken am Körper des Mädchens gefunden worden seien, und dass es einen Kampf gegeben habe, wie uns ein Polizeisprecher sagt. Beides bestätigt die Polizei nach wie vor nicht. Dass Haarbüschel gefunden wurden hingegen schon.

Die 'Bild'-Zeitung indes behauptet heute im Wesentlichen noch einmal als Tatsache, was sie schon am Samstag behauptet hatte und was nach wie vor unbestätigt ist. 'Michelle kämpfte mit ihrem Killer' lautet die Überschrift und im Text heißt es erneut:

Es ist eine erste heiße Spur auf der Suche nach dem Mörder der kleinen Michelle († 8)!

Und wieder zeigt 'Bild' auch das Phantombild, das sie bereits am Samstag auf der Titelseite druckte. 'Das Fahndungsfoto der Polizei' steht darunter (siehe Ausriss).

Während man jedoch dem 'Bild'-Artikel vom Samstag noch entnehmen konnte, dass das Phantombild eigentlich von einem anderen Fall stammt und bereits vier Monate alt ist, fehlt in der 'Bild' von heute jeglicher Hinweis darauf. Dabei hatte die Polizei nach der ersten Veröffentlichung am Samstag ausdrücklich klargestellt, dass das Phantombild nicht aktuell von der Sonderkommission Michelle erstellt worden sei und lediglich ein Anhaltspunkt unter vielen sei (siehe Kasten).

Das Phantombild:

'Ein Polizeisprecher dementierte am Samstag Informationen der 'Bild'-Zeitung, dass sie eine heiße Spur von dem Täter habe. Die Zeitung hat das Phantombild eines Mannes veröffentlicht (…).'
(AP vom 23.8.2008.)

'Eine heiße Spur gebe es jedoch nicht, sagte Polizeisprecher Uwe Voigt. Damit wies er einen Bericht der 'Bild'-Zeitung zurück, die in ihrer Samstagsausgabe ein Phantombild eines Mannes veröffentlicht hatte.'
(dpa vom 23.8.2008.)

'Auch ein Mann, der vor vier Monaten ein elfjähriges Mädchen in der Gegend belästigte und von dem es ein Phantombild gibt, stehe nicht konkret unter Verdacht.'
(dpa vom 23.8.2008.)

'Ein Polizeisprecher hatte am Samstag klargestellt, ein von einer großen Zeitung veröffentlichtes Phantombild sei nicht aktuell von der Sonderkommission Michelle erstellt worden.'
(AFP vom 24.8.2008.)

Daran hat sich bis heute nichts geändert, wie uns ein Polizeisprecher bestätigt. Dass die Polizei nach dem Mann auf dem Phantombild fahnde, sei falsch. Vielmehr gehe man allen Hinweisen nach, auch denen, die sich auf die Veröffentlichung des Phantombildes in 'Bild' beziehen. 'Wir fahnden nach allem möglichen', so der Polizeisprecher, es gebe nach wie vor 'keine heiße Spur'.

Sagen wir es so: Die Polizei ermittelt in alle Richtungen. Die 'Bild'-Zeitung hat sich weitgehend festgelegt.

P.S.: Weil es so gut passt, hier einige Passagen aus einer Meldung der Nachrichtenagentur AP von heute morgen:

Bei der Suche nach dem Mörder der achtjährigen Michelle aus Leipzig hat die Polizei noch immer keine heiße Spur. Es gebe fast stündlich neue Hinweise, der entscheidende sei aber noch nicht dabei gewesen, sagte ein Polizeisprecher am Montag der AP. 'Es gibt absolut nichts Neues.' (…) Der Sprecher dämpfte zugleich Hoffnungen auf einen schnellen Fahndungserfolg. 'Zu glauben, wir sind in wenigen Tagen mit der Überprüfung aller Spuren und Hinweise durch, ist nicht realistisch.' Die Polizei müsse und werde gründlich und akribisch vorgehen, fügte er hinzu. 'Schnellschüsse sind dabei wenig hilfreich.'

Mit Dank an Stephan L.


Hochleistungsrechercheergebnis

23 Aug 2008 12:46:46 | Clarissa | Vermischtes | Comments

Die 'Tagesschau' ist für 'Bild' heute nicht nur 'die wichtigste Nachrichtensendung im TV', sondern auch 'Gewinner' 'Verlierer' des Tages. Der Grund: In der Sendung am Donnerstagabend gab es (anders als auf den 'Bild'-Titelseiten von gestern und heute) 'keine einzige Silbe über den schrecklichen Tod der achtjährigen Michelle'.

'Tagesschau'-Chef Kai Gniffke schrieb dazu gestern nacht (noch vor Erscheinen der heutigen 'Bild'):

Da ruft mich heute abend kurz vor der 20 Uhr eine Redakteurin der BILD-Zeitung an. Ihr Chef habe gesagt, dass die Tagesschau gestern [Donnerstagabend, 20 Uhr] nicht über Michelle berichtet habe, und nun wolle sie von mir wissen, ob das stimmt. Ich bestätige diese 24-Stunden-Hochleistungsrecherche, weil sich unser Ablauf bei 7-10Millionen Zuschauern eh schwer geheim halten lässt. 'Warum nicht?', fragt sie hart nach, und ich antworte ruhig, dass ich dieses Verbrechen abscheulich finde, dies aber nichts für die Tagesschau sei.

Vorsichtig frage ich die Anruferin, warum wir es ihrer Meinung nach hätten machen sollen. Weil es ein schreckliches Verbrechen sei, erwidert sie etwas pikiert, und ich gebe ihr Recht, dass solche Taten fürchterlich sind, aber leider Gottes passiereten solche Fälle öfter, und ich sähe noch immer nicht, warum wir nun genau diesen Fall aufgreifen sollten. Dieser Fall sei schließlich ganz schön durch die Medien gegangen, belehrt sie mich. Stimmt, sage ich, und füge (etwas zu vorlaut) hinzu, 'vor allem in Ihrem' (…)


Bild.de entdeckt Britneys dünnes Stimmchen

22 Aug 2008 15:36:27 | Clarissa | Vermischtes,Jetzt | Comments

Die Meldung hat es sogar auf die Start-Seite von Bild.de geschafft:

(…) Jetzt tauchte ein Video von einem Britney-Spears-Konzert in Las Vegas auf, das demonstriert, wie groß die Diskrepanz zwischen der Live-Stimme und den Tönen, welche die Zuschauer hören, wirklich ist. (…)

Wo das Video 'jetzt' auftauchte, verrät Bild.de leider nicht. Macht aber nix: Wer will kann sich’s ja z.B. auf YouTube anschauen. Da taucht das Video nämlich schon seit November letzten Jahres auf.

Mit Dank an Martin L. für den Hinweis.


Stille Morgenpost

22 Aug 2008 14:08:06 | Clarissa | Vermischtes | Comments

Es ist nicht gerade freundlich von der 'Berliner Morgenpost' (einer Art Lokalausgabe der Springer-Zeitung 'Die Welt'), aus einem Exklusiv-Interview der Zeitschrift 'Vanity Fair' mit Wladimir Klitschko und Karolina Kurkova einfach einen eigenen Artikel zu machen, dabei ausgiebig aus dem Interview zu zitieren, aber eingangs bloß zu schreiben:

Die beiden Singles (…) wollten sich gern einmal kennen lernen. Kollegen einer Zeitschrift haben es eingefädelt (…).
(Link von uns!)

Freundlich hingegen ist, was Bild.de (eine Art Onlineausgabe der Springer-Zeitung 'Bild') aus Klitschkos 'Hammer-Flirt des Jahres' macht:

(…) schwärmt er in der Tageszeitung 'Berliner Morgenpost'.

(…) schwärmt auch Karolina in der 'Berliner Morgenpost'.

(…) hat das Model laut der „Berliner Morgenpost“ (…).
(Link von Bild.de)

Und dass der Bild.de-Satz 'In New York sind sich die beiden begegnet' eigentlich bedeutet, dass 'Vanity Fair' die beiden für ein Fotoshooting in New York engagiert hatte, wissen sie bei Bild.de vermutlich nicht mal selber.

Mit Dank an Malte für den Hinweis.


Bild.de übergeigt Neuigkeiten im Fall Michelle

21 Aug 2008 13:42:40 | Clarissa | Vermischtes | Comments

Aus aktuellem Anlass müssen wir unser Großes 'Bild'-Wörterbuch um ein neues Wort ergänzen:

Bild.de verwendete es heute in diversen Teasern (siehe Screenshots).

Was Bild.de mit der traurigen 'Gewissheit' meint, stand geraume Zeit in der Bild.de-Meldung, auf die die Teaser verlinkten:


Michelles Leiche offenbar gefunden

Ist es nun grausame Realität? Ist die kleine Michelle aus Leipzig tot? Offenbar wurde die Leiche des Mädchens gefunden. (…) Die Polizei überprüft nun, ob es sich bei der Leiche um die vermisste Michelle (8) handelt. (…)

Jetzt der Fund der Mädchenleiche und die schlimme Befürchtung: Ist es Michelle?

Das Bild.de-Update:

'Michelle tot in Ententeich gefunden

Jetzt ist es offenbar traurige Gewissheit. Die kleine Michelle aus Leipzig ist tot. (…) Die Polizei überprüft nun, ob es sich bei der Leiche um die vermisste Michelle (8) handelt.'

Inzwischen aber hat sich zwar am Kenntnisstand im Fall Michelle ('Die Polizei überprüft nun, ob …') nichts geändert*; doch Bild.de hat den irreführenden Teaser der Meldung die Meldung dem irreführenden Teaser angepasst (siehe Kasten) – gleichzeitig aber die 'Gewissheit' aus den Teasern entfernt.

Und am Ende des Artikels heißt es:

Jetzt der Fund der Mädchenleiche und die schlimme Befürchtung: Wahrscheinlich ist es Michelle.

Mit Dank an Arne B. und Markus W. für den Hinweis.

*) Nachtrag, 17.20 Uhr: Erst jetzt, mehrere Stunden nach der (durch nichts gedeckten) 'Gewissheit' von Bild.de, hat die Polizei auf einer Pressekonferenz mitgeteilt, dass es sich bei der Leiche 'mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit um Michelle' handele – und Bild.de hat den 'Ist sie es wirklich?'-Artikel abermals entsprechend umgeschrieben.


Bild.de übergeigt Neuigkeiten in Fall Michelle

21 Aug 2008 13:42:40 | Clarissa | Vermischtes | Comments

Aus aktuellem Anlass müssen wir unser http://feeds.feedburner.com/~r/bildblog/~3/370940378/Großes 'Bild'-Wörterbuch um eine neues Wort ergänzen:

Bild.de verwendete es heute in diversen Teasern (siehe Screenshots).

Was Bild.de mit der traurigen 'Gewissheit' meint, stand rund anderthalb Stunden in der Bild.de-Meldung, auf die der Teaser verlinkt:


Michelles Leiche offenbar gefunden

Ist es nun grausame Realität? Ist die kleine Michelle aus Leipzig tot? Offenbar wurde die Leiche des Mädchens gefunden. (…) Die Polizei überprüft nun, ob es sich bei der Leiche um die vermisste Michelle (8) handelt. Jetzt der Fund der Mädchenleiche und die schlimme Befürchtung: Ist es Michelle?

http://feeds.feedburner.com/~r/bildblog/~3/370940378/Das Bild.de-Update:'

'Michelle tot in Ententeich gefunden

Jetzt ist es offenbar traurige Gewissheit. Die kleine Michelle aus Leipzig ist tot. (…) Die Polizei überprüft nun, ob es sich bei der Leiche um die vermisste Michelle (8) handelt.'

Inzwischen aber hat sich am Kenntnisstand im Fall Michelle zwar nichts geändert; doch Bild.de hat den irreführenden Teaser der Meldung die Meldung dem irreführenden Teaser angepasst (siehe Kasten) – die 'Gewissheit' aber aus den Teasern entfernt. Und am Ende des Artikels heißt es nun:

Jetzt der Fund der Mädchenleiche und die schlimme Befürchtung: Wahrscheinlich ist es Michelle.

Mit Dank an Arne B. und Markus W. für den Hinweis.


Jeanette Biedermanns Phantombusen begrapscht

19 Aug 2008 17:56:38 | Clarissa | Vermischtes | Comments

Wir unterbrechen unser Sommerloch für eine wichtige Durchsage:

Auf der A2 Richtung Köln kam es gestern zu einem schweren Unfall! Jeanette B. (27) mit ihrem roten Mazda unterwegs zu ihren Eltern. Hinter ihr in seinem Lieferwagen: Mathieu C. (57). Dann plötzlich – STAU! Jeannette B. kann gerade noch rechzeitig bremsen. Doch da ist es für Hintermann Mathieu C. schon zu spät… Der Kleintransporter kracht ins Heck des Wagens vor ihm, verfehlt ihn nur um wenige Meter! Wie durch ein Wunder bleiben beide unverletzt! Augenzeugen berichten atemlos, im Rückspiegel hätte es wie ein Unfall ausgesehen.

Und damit zurück zu 'Bild'.

Denn wir waren nicht dabei, als Jeanette Biedermann und Mathieu Carrière in Berlin eine neue TV-Serie vorstellten. Die 'Bild'-Reporter Martina Kleinke und Mark Pittelkau vielleicht schon. Und so berichteten die beiden bereits gestern online über eine 'Busen-Attacke von Mathieu Carrière auf Jeanette Biedermann', die es als 'Grapsch-Attacke' heute sogar auf Seite 1 der gedruckten 'Bild' geschafft hat:

Mathieu Carrière begrapscht Jeanette Biederman (…). Bei einem Termin in Berlin grapschte ihr Schauspieler Mathieu Carrière (57) einfach an die Brust! (…) Er griff der schönen, 30 Jahre jüngeren Blondine mit voller Hand an den Busen!

Und neben den, ähm, Foto-Beweis steht’s nochmal:

Mathieu Carrière fasst Jeanettes Brust an.

Patsch! Mathieu Carrière (57) packt Kollegin Jeanette Biedermann (27) an die Brust.

Online allerdings finden sich (in einer Bilder-Galerie) noch diese Zeilen:


'Bild' kennzeichnet das Sommerloch

19 Aug 2008 17:37:57 | lupo | Unsportliches,Vermischtes | Comments

'Sommerloch', das sagt sich so leicht. Irgendjemand muss das Ding schließlich Jahr für Jahr ausheben, befestigen und bepflanzen. Zum Glück übernimmt das in Deutschland ein Medium zentral für fast alle anderen.

Heute zum Beispiel mit dieser Meldung auf Seite 1:

Hauptdarsteller der Geschichte ist ein CDU-Politiker namens Peter Trapp, der als Polizeibeamter dafür zuständig war, Strategien zur Bekämpfung der Straßenkriminalität in Spandau zu entwickeln und umzusetzen und seit fast neun Jahren den Spandauer Wahlkreis 5 (Kladow, Gatow, Pichelsdorf und die südliche Wilhelmstadt) im Berliner Abgeordnetenhaus vertritt, wo er den Ausschuss für Inneres, Sicherheit und Ordnung leitet.

'Bild' zitiert ihn heute mit dem Satz: 'Die Abschaffung der Ortsziffern auf dem Nummernschild ist (…) zu überdenken.' Tatsächlich will er die Kürzel für die Orte aber offenbar nicht retten, sondern abschaffen. Weil 'Autofahrer aus bestimmten Regionen aufgrund ihres Kennzeichens' dadurch diskriminiert würden, dass andere sie für Deppen hielten.

Im nordrhein-westfälischen Landtag fand 'Bild' einen grünen Abgeordneten namens Johannes Remmel, der den Vorschlag zu unterstützen schien und einen 'Ideenwettbewerb zur kreativen Gestaltung von Nummernschildern für sinnvoll' erklärte.

Die 'Bild'-Meldung fand guten Absatz.

Der Hessische Rundfunk lieferte als Service sieben Kennzeichenwitze aus der Region, der 'Kölner Stadtanzeiger' zwei aus dem näheren Umkreis und drei aus dem Ferne; bei n-tv.de hat man die vier Nummernschild-Ulk-Übersetzungen aus 'Bild' freundlicherweise um fünf weitere Ideen ergänzt.

n-tv.de fand aber auch, die Nachricht klinge 'wie ein verspäteter Aprilscherz', fragte bei den von 'Bild' zitierten Politikern selbst nach und erfuhr, dass Johannes Remmel relativ egal ist, welche Buchstaben auf den Kennzeichen stehen, solange sie schön bunt sind.

'Stern'-Autor Wolfgang Röhl nutzte die Gelegenheit der 'Bild'-Meldung, in einem Beitrag für die sich für politisch unkorrekt haltende 'Achse des Guten' ein ausländerfeindliches Witzchen zu machen.

De Nachrichtenagentur AP schließlich fand erstaunlicherweise zwischen der Nennung von nicht weniger als zehn Kennzeichenwitzen noch Platz, eine Reaktion von Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee zu zitieren, der den Forderungen 'umgehend eine Absage' erteilt habe: 'Ich glaube, wir haben ein sehr gut funktionierendes System in Deutschland, das sich bewährt hat.'

'Wir haben keine Veranlassung, von den regionalen und merkbaren Kennzeichen Abstand zu nehmen. Das System hat sich bewährt', waren übrigens die Worte, die auch ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums gegenüber derselben Nachrichtenagentur gewählt hatte — vor vier Jahren. Damals hatte ein CDU-Bundestagsabgeordneter namens Albrecht Feibel gefordert, die Orts-Kennungen in den Kennzeichen abzuschaffen, immerhin mit der weniger originellen Begründung, dass sie soviel Bürokratie produzierten. Feibels Vorschlag wurde am 20. Juli 2004 bekannt, weshalb der Ministeriumssprecher laut AP von einem typischen Sommerloch-Vorschlag sprach.

Verbreitet wurde er auch damals von der dafür zuständigen Zeitung auf Seite 1:

Mit Dank auch an Daniel W. für den Hinweis.


Aberglaube ist keine Hexerei!

17 Aug 2008 18:15:40 | lupo | Vermischtes | Comments

Es war eine dieser Meldungen, die erschüttern: Viele Ehen, die in Las Vegas geschlossen werden, berichtete Bild.de in dieser Woche, halten nicht für immer.

Woran mag das liegen? Bild.de ist diese mögliche Erklärung eingefallen:

Liegt ein Fluch auf den Hochzeiten in Las Vegas?

Holla, darauf wären wir jetzt nicht gekommen. Aber dafür hat man ja Experten, dass sie einen warnen, vor Orten und Gegenständen, die verwunschen sind, von irgendeiner übersinnlichen Macht.

Und wir nutzen die Gelegenheit, als Service für unsere Leser die wichtigsten der potentiellen Flüche, über die 'Bild' in diesem Jahr berichtete, in einer Übersicht zusammenzufassen:

Verflucht Art des Fluchs
Bär Bruno 'Liegt ein Fluch über dieser Bärenfamilie?' (zwei Jahre nach Bruno wurde auch sein Bruder erschossen)
Batman-Film 'The Dark Knight' 'Der Fluch des Batman-Films' (zwei Tote, eine Festnahme, ein Horror-Unfall)
Bayern München 'HSV-Fluch' (kein Sieg in der Arena gegen Hamburg)
Beatles 'Die Beatles haben einen Fluch, sie werden nie glücklich werden.'
Deutsche Olympioniken 2008 'Olympia-Fluch' (keine Goldmedaillen für Deutschland)
Dieter Degowski, Gladbeck-Geiselnehmer 'Über seiner Familie scheint seit seiner Tat ein Fluch zu liegen.' (Vater gestorben, Mutter Hirnschlag, Bruder Selbstmord, keine Freunde)
Dirk Zingler, Präsident 1. FC Union Berlin 'Erfurt-Fluch' (mehrere Niederlagen)
Dustin Heun, Stürmer 1. FC Union Berlin 'Erfurt-Fluch' (keine Tore)
Günther Beckstein, Erwin Huber 'Als laste ein Fluch auf den beiden 'Provinzpolitikern' (Stoiber)' (ihnen 'will nichts gelingen')
Hertha BSC 'Flutlicht-Fluch' (keine Siege, wenn es dunkel ist)
Die Kennedys 'Der Fluch der Kennedys' ('Tragödien und Skandale, Trauermärsche und Särge', sogar alte Männer werden krank)
Klimbim-Familie 'LIEGT ETWA EIN FLUCH ÜBER DER KLIMBIM-FAMILIE?' (traurige Schicksale)
Luca Toni 'Torlos-Fluch'
Manuel Neuer, Torwart Bayern München 'Erbt Neuer den Fluch von Pannen-Olli?' ('mal Held, mal Depp')
Michael Ballack 'Vize-Fluch', 'Endspiel-Fluch', 'Final-Fluch' (gewinnt kein Endspiel)
Nürnberger Zoo 'Es ist, als ob ein Fluch auf dem Tiergarten liegt.' (Im Lauf von 8 Jahren sterben 4 Bären, 1 Giraffen-Junges, 7 Delfin-Babys, 1 Elefantendame, 1 Gepardin, 2 Eisbär-Babys, 1 Besucherin.)
Renft, Popgruppe 'Der Fluch über der 'Renft'-Combo hält an' (mehrere Mitglieder sterben an Krebs, einer bei einem Autounfall)
Roger Federer, Tennisspieler 'Paris-Fluch' (noch nie die French-Open gewonnen)
Schalke 04 'Start-Fluch' (kein Tor, nur Niederlagen in den Auftaktspielen der Champions League)
Spanische Fußballnationalmannschaft 'Elfer-Fluch'(verliert immer am 22. Juni das Viertelfinale bei einem großen Turnier im Elfmeterschießen)
Tour de France 2008 'Auf dieser Tour liegt ein Fluch!' ('nach den Doping-Fällen der letzten Tage … gab es einen bösen Sturz')
Tutanchamun 'Fluch des Pharao'
Volleyballer vom SC Charlottenburg 'Pleiten-Fluch' (scheitern in der Vorrunde der Play-Offs)



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