YouTube wird dem Eigner Google 2009 470 Millionen Dollar Verlust kosten, so ein Report des Finanzdienstleistungsunternehmen Credit Suisse.
Das passt ja zu den aktuellen Geschichten rund um die Lizenzforderungen der GEMA und anderer Verwertungsgesellschaften gegenüber YouTube: Laut einem Report vom Schweizer Finanzdienstleistungsunternehmen Credit Suisse wird YouTube-Besitzer Google 2009 auf 470 Millionen Dollar Verlust sitzen bleiben, wie unter anderem heise berichtet.
Werbeeinnahmen in Höhe von 240 Millionen Dollar stehen dabei Kosten von mehr als 710 Millionen Dollar gegenüber. Nicht einmal drei Prozent der dafür in Frage kommenden YouTube-Seiten würde Werbung beeinhalten.
Das Problem, dem sich Google mit YouTube gegenüber sieht, ist eine ungünstige Kombination aus schlecht vermarktbarem User Generated Content, einer den Werbemarkt schrumpfen lassenden Rezession und der Tatsache, dass Online-Video sehr kostenintensiv ist.
YouTube wächst weiter, das nützt Google aber nichts: Das Problem bei vielen Online-Video-Angeboten und speziell wohl bei YouTube ist die Tatsache, dass aufgrund der hohen Kosten weitere Nutzer negative Deckungsbeiträge einbringen. Das heißt, sie erzeugen mehr Kosten als sie Einnahmen generieren.
Vor diesem Hintergrund erscheint es noch absurder, dass die vermeintlichen Vertreter von Musikern, die Labels und Verwertungsgesellschaften, eine Verluste einfahrende Plattform, die ihnen kostenlos eine Öffentlichkeit anbietet, mit überzogenen Lizenzforderungen überziehen. Würde Google YouTube aufgrund der aktuellen Verluste und der schlechten Aussichten einfach schließen, würde es nicht zuletzt auch die treffen, welche die Videosite als Werbeplattform für ihre Produkte nutzen - und dafür auch noch entlohnt werden wollen.
Eine Studie im UK zeigt auf: Die Hälfte der Erwachsenen, welche ein Musikvideo auf YouTube gesehen haben, erwerben anschließend eine CD, Musikaufnahme im Downloadshop oder ein Konzert-Ticket des jeweiligen Künstlers.
Allerdings ist das ein Umstand, der von vielen auch und besonders auf der Labelseite ignoriert wird. Selbst die GEMA, als Verwertungsgesellschaft eigentlich die Vertretung der ihr beigetretenen Musiker, scheint diesen Aspekt bei den Lizenzverhandlungen mit YouTubevöllig auszublenden (Was durchaus etwas über die Bedeutung von Verwertungsgesellschaften allgemein aussagt, die eben nicht am bestmöglichen Gesamtergebnis für ihre Mitglieder interessiert sind, sondern an einer möglichst umfangreichen von ihnen initiierten Ausschüttung. Aus dieser schließlich ergeben sich wiederrum anteilig die eigenen Verwaltungseinnahmen und nicht zuletzt die eigene Daseinsberechtigung. Das sollte man auch in Hinblick auf die Kulturflatrate nie vergessen.).
Die BBC verweist nun auf eine Studie zum Konsumentenverhalten bezüglich Musikvideos auf YouTube. Untersucht wurden 1500 Menschen in Großbritannien im März 2009. 57% der 15- bis 24-Jährigen schauen Musik auf YouTube. TV liegt mit 56% ungefähr gleichauf.
Aber hier kommt der interessante Teil der Studie:
Man hat herausgefunden, dass die Hälfte der Erwachsenen, welche ein YouTube-Musikvideo angeschaut haben, anschließend Musik von diesem Künstler erwarben.
Die Mehrzahl davon kauft noch CDs (36%). Nur 15% gehen den Weg, für digitale Downloads zu bezahlen. 7% kaufen Konzert-Tickets.
Für etwas, das von Seiten der Musiker oder deren Management mit minimalen Zusatzaufwand und keinerlei Kosten verbunden ist, sind das ziemlich gute Ergebnisse.
Ebenfalls interessant: Die Studie fragte auch, ob YouTube nach dem geplatzten Lizenz-Deal mit PRS (dem UK-Äquivalent der GEMA) gerechtfertigt die Premium-Videos der PRS-Mitglieder entfernte. 47% der Befragten waren auf der Seite von YouTube. Nur 28% fanden dieses Vorgehen von YouTube falsch, 25% konnten sich dazu nicht äußern.
Fazit: Musiker erhöhen ihre Verkäufe aller möglichen Art durch Musikvideos auf YouTube. Diese auf YouTube einzustellen, kostet sie praktisch nichts. Wenn diese Musikvideos durch geplatzte Deals mit den Verwertungsgesellschaften von YouTube entfernt werden, ist die überwiegende Mehrheit der Konsumenten, die diese Vorgehen mitbekommen, auf der Seite von YouTube. Klartext: Die Musikfans sind nicht auf der Seite der Verwertungsgesellschaften, die schließlich auch die Seite der Musiker repräsentieren soll.
Geht es noch offensichtlicher?
Wie lang wird es wohl dauern, bis alle Musiker erkennen, dass das Vorgehen der Labels und Verwertungsgesellschaften, das diesen Werbeeffekt auf YouTube und die Wünsche der eigenen Kunden ausblendet, ihnen mehr schadet, als nützt?
Das Hamburger Social Business Network Xing testet eine neue Funktion, die über die Angaben der Mitglieder zu ihren Arbeitgebern automatisch Unternehmensprofile generiert. Eine spannende Neuerung, die jedoch Konfliktpotenzial beinhaltet.
Was größere funktionelle Weiterentwicklungen betrifft, war es bei Europas größtem sozialen Netzwerk für Geschäftskontakte Xing in den letzten Monaten auffällig ruhig. Während es zur geplanten Applikations-Plattform nach wie vor lediglich Ankündigungen gibt und dem Dienst die Zeit davonläuft, hat das Hamburger Unternehmen gestern in seinem Blog aber eine andere, recht tiefgehende Neuerung vorgestellt: Unternehmensprofile.
Ausgewählte Mitglieder des Xing-Forschungspanels haben bereits Zugang zu dem neuen Feature, das in der Beta-Phase von rund 20.000 Mitgliedern auf seine Tauglichkeit und Funktionalität hin getestet werden soll. Unter dem neuen Menüpunkt “Unternehmen” finden User kostenlos Informationen von mehr als 96.000 Unternehmen, Organisationen und Verbänden. Für jede Firma gibt es eine eigene Seite, auf der eine Liste aller dort angestellten Xing-Mitglieder sowie einige “Schlüsselinformationen” angezeigt werden. Diese werden aus den Profilangaben der entsprechenden Mitglieder aggregiert.
Die Idee, die von über sieben Millionen Xing-Mitgliedern in ihren Profilen gemachten Angaben zu Unternehmen für ein eigenes, dynamisches und sich selbst aktualisierendes Firmenverzeichnis zu nutzen, hat in der Tat ihren Reiz. Gleichzeitigt wirft sie jedoch auch Fragen auf. Xing-Mitglied Bernhard Jodeleit hat bereits Zugang zu dem neuen Feature und verweist in seinem Blog (via) auf mögliche Probleme, die Xings Unternehmensprofile mitbringen könnten.
So sieht er die Gefahr verzerrter Darstellungen von Unternehmen, wenn zum Beispiel nur eine geringe Zahl von Angestellten ein Xing-Profil besitzt und zu den aggregierten Firmeninformationen beitragen. Auch müssen persönliche Profilangaben wie “ich biete”, die für die neue Funktion herangezogen werden, nicht immer mit dem übereinstimmen, was ein Unternehmen zu bieten hat. Gerade Angaben von Freelancern oder Personen mit mehreren Anstellungen können irreführende Informationen beisteuern.
Jodeleit sieht die Gefahr, dass Xing mit dem neuen Feature zurückrudern muss. Aufgrund des auf einen kleinen Nutzerkreis begrenzten Tests dürfte dies - sofern notwendig - allerdings relativ problemlos machbar sein. Betatester haben derzeit die Möglichkeit, ihr Feedback zu den Unternehmensprofilen abzugeben und über einzelne Funktionen abzustimmen. Die ein oder andere Modifikation der Neuentwicklung ist also wahrscheinlich. Immerhin liegt es auch im Interesse von Xing, unnötige juristische Reibereien mit Unternehmen zu vermeiden, die sich durch ihre automatisch generierte Firmenseite auf die Füße getreten fühlen.
Spotify Spotify startet mit libspotify eine Plattform, die es Drittanwendungen ermöglicht, auf die Funktionen und Daten von Spotify zuzugreifen und weiterzuentwickeln.
Fotos TechCrunch hat herumgefragt und eine Liste der Dienste erstellt, die die meisten Fotos hosten. ImageShack bringt es auf 20 Milliarden, Facebook auf 15, PhotoBucket auf 7,2 und auch Flickr hostet immerhin noch 3,4 Milliarden Fotos.
Pro Sieben Sat 1 Pro Sieben Sat 1 erwägt, sich vom eigenen Web-Portfolio - unter anderem Lokalisten und wer-weiss-was.de - zu trennen.
Um die Schuldenlast auf ein erträglicheres Maß zu senken, prüft das Unternehmen über alle Sparten hinweg mögliche Verkäufe. Angesichts der regen Aktivitäten bei den Onlinebeteiligungen ist konzernintern von einer Strategierevision die Rede.
Blockbuster Jahrzehntelang war Blockbuster quasi synonym für Videotheken. Doch dann kam das Web und Netflix und nun steht Blockbuster kurz vor dem Aus.
Wer-kennt-wen Laut IVW-Ranking ist Wer-kennt-wen nun das soziale Netzwerk mit den meisten Seitanaufrufen.
Auch im Kriterium der Besuche (Visits) hat Wer-kennt-wen das Schülerverzeichnis abgehängt und ist an die zweite Stelle hinter StudiVZ gerückt. MySpace und die Lokalisten können ihren Rückstand kaum verringern.
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Nach eigenen Angaben hat Facebook, das bereits seit längerem größte Social Network der Welt, jetzt die Grenze von 200 Millionen aktiven Mitgliedern durchbrochen.
AllFacebook vermutet sogar, dass Facebook mittlerweile 207 Millionen aktive Nutzer verzeichnen kann, die Kommunikation allerdings auf maximale Wirkung in der Presse ausrichtet und die Bekanntgaben so entsprechend plant.
Facebook vergleicht die Zahl publicityträchtig in einem Video:
Die Weltbevölkerung hat 20.000 Jahre gebraucht, um 200 Millionen zu erreichen.
Nur vier Länder haben noch mehr Einwohner als Facebook Nutzer hat.
usw.
Brian Solis fasst zum Anlass einige Statistiken zu Facebook zusammen:
Zumindest 100 Millionen User loggen sich einmal am Tag auf Facebook ein
Der Durchschnitts-User hat 120 “Freunde” auf der Site
Mehr als 20 Millionen User aktualisieren ihren Status mindestens einmal am Tag
Mehr als 850 Millionen Fotos werden jeden Monat hochgeladen
Mehr als 8 Millionen Videos werden jeden Monat hochgeladen
Mehr als 2,5 Millionen Events werden jeden Monat eingetragen
Mehr als 660.00 Entwickler aus über 180 Ländern haben für die Plattform entwickelt
Jeden Monat nutzen mehr als 70% der Facebook-Nutzer Facebook-Applikationen
Mehr als 5000 Applikationen haben 10.000 oder mehr aktive Nutzer
Mehr als 8000 Websites haben seit Dezember 2008 Facebook Connect integriert
Die Google App Engine kommt dem eindringlichsten Wunsch vieler Entwickler nach und unterstützt neben Python nun auch Java.
Seit Google vor etwa einem Jahr die Entwicklungsplattform Google App Engine veröffentlicht hat, haben 150.000 Entwickler etwa 50.000 Anwendungendafür geschrieben. Die Popularität der Plattform, auf der Webanwendungen von Google gehostet betrieben werden können, erklärt sich einerseits durch die nahezu beliebige Skalierbarkeit der Rechenleistung, vor allem aber durch die Kosten: Für die allermeisten Anwendungen ist die Nutzung kostenlos.
Im Vergleich zu Amazons Angebot im Bereich Cloud Computing hat die App Engine zwar noch einige andere Grenzen – Daten müssen etwa in Googles Datastore gespeichert werden, aber die größte Einschränkung dürfte die Beschränkung auf die Programmiersprache Python gewesen sein.
Auf der “Google Campfire”-Veranstaltung hat Google gestern bekannt gegeben, dass nun auch Java unterstützt wird.
Python hat zwar viele Fans und ist besonders bei Universitäten und im wissenschaftlichen Bereich sehr beliebt, doch Java ist derzeit wohl die verbreitetste Programmiersprache. Und vor allem: Es gibt – vor allem im Bereich Geschäftsanwendungen – Unmengen von Java Code, der nur darauf wartet, auf die Google App Engine portiert zu werden.
Der Aufwand dafür dürfte sich in Grenzen halten. Zwar muss auch hier der Persistenzmechanismus und das User Management an die APIs der App Engine angepasst werden, doch Google offeriert ein sinnvolles Mapping mit den bestehenden Java-APIs. Googles Datastore kann etwa via Java Data Objects (JDO) oder über die Java Persistence API (JPA) angesprochen werden.
Ein Nebeneffekt ist, dass über Java das Hintertürchen für eine Palette an anderen Programmiersprachen wie Groovy, Scala oder JRuby geöffnet wird, die alle in der Java Virtual Machine laufen können.
Eine Einführung in die technischen Details und ein Tutorial für die erste Anwendung gibt es hier.
Derzeit gibt es nur 10.000 Plätze, bei Interesse kann man sich hier anmelden.
Hält man sich die Hardware, die Google im Hintergrund aufgebaut hat, vor Augen, wird deutlich, wie hoch die Markteintrittsbarrieren bei der allgemeinen Websuche mittlerweile liegen.
Google hat über die Jahre weltweit Rechenzentren aufgebaut. Royal Pingdom zählte vor einem Jahr 36 weltweit: 19 in den USA, 12 in Europa, 3 in Asien und eins jeweils in Russland und Süd-Afrika.
Aktuell ist die sechste oder siebte Generation der Server im Einsatz. Dabei hat man besonders die “Power Usage Effectiveness” im Auge, also der Anteil der Leistung, der nicht direkt in die Berechnung fließt, sondern in Hilfsanwendungen wie Kühlung und Beleuchtung. Dieser Faktor sinkt derzeit von 1,21 (3. Quartal 2008) auf 1,19 im ersten Quartal 2009, die Effizienz steigt also.
Google hat nun ein Video über den Aufbau eines seiner Rechenzentren veröffentlicht:
Die am Anfang genannten Zahlen und das Video machen deutlich, wie viel hinter Google steht. Wann immer über mögliche Konkurrenten zu Google im Markt der Volltextsuchen gesprochen wird, muss ich ein bisschen schmunzeln. Es ist für Startups mittlerweile nahezu unmöglich, sich erfolgreich mit dieser Infrastruktur anzulegen.
Die einzigen, die es in dieser Größenordnung aktuell aus finanzieller Sicht noch mit Google aufnehmen können, sind Yahoo und Microsoft. Und beide scheitern aktuell kläglich, zumindest was die Marktanteile angeht. Startups haben keine Chance, wenn sie auf die gleiche Grundlage - Volltextsuche - setzen. Die Markteintrittsbarrieren sind durch die Übermacht von Google und seinem Hardware-Vorsprung nahezu uneinholbar.
Bei all dem liefert Google auch kein als qualitativ schlecht wahrgenommenes Produkt, wie man es oft bei monopolistischer oder quasi-monopolistischer Marktbeherrschung sieht. Das deutet darauf hin, dass Google aus der Geschichte gelernt hat und monopolistisches Verhalten zu vermeiden versucht.
Fazit: Googles Allmacht kann nur noch von der Seite disruptiert werden. Durch Facebook etwa. Oder Social Media allgemein.
Xing Mal wieder ein kleines Lebenszeichen von OpenSocial bei Xing.
XING selbst arbeitet seit 2007 an der Integration von OpenSocial in unsere Plattform. Derzeit drehen wir die letzten Runden, permanent mit dem Fuß am Bodenblech. Als zuständiger Manager für die Applikationsplattform bekomme ich die rasante Entwicklung dabei hautnah mit.
Macrosense ReadWriteWeb über ein Startup, das aus der Analyse von vier Millionen GPS-Sensoren Echtzeitanalysen über das Nachtleben von San Francisco erstellt.
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FriendFeed legt eine neue Oberfläche im Beta-Status vor. Mit der neu siteweiten Echtzeit-Ansicht wird der Webdienst noch schneller und interessanter. Der technische Vorsprung gegenüber allen anderen in diesem Bereich ist unübersehbar. Eine Zukunft könnte in der Lizenzierung der zugrundliegenden Technologie an andere Webdienste liegen.
FriendFeed ist grob gesagt ein Dienst, auf dem man die Aktivitäten auf anderen Webdiensten und eigenen Blogs aggregieren kann. Man kann anderen Freunden folgen und die Einträge kommentieren und bewerten. Letzten Sommer eingeführte Listen zum Sortieren der eigenen Freunde und automatisch generierte Tages-, Wochen- und Monatszusammenfassungen runden das Angebot ab und machen es übersichtlicher.
FriendFeed ist dabei ein eigenartiges Biest. Obwohl relativ leicht zu bedienen, sind Konzept und Nutzen nicht ohne weiteres zu verstehen. Das liegt auch daran, dass FriendFeed konsequentes Weiterdenken des Status Quo des Web (2.0) ist: Angefangen als schnöder Lifestreaming-Dienst, ist FriendFeed heute wohl der erste Dienst, der mit seiner Weiterentwicklung konsequent auf die Möglichkeiten aufsetzt, die das Bestehen all der unterschiedlichen Webdienste ergibt. Und damit einen relativ hohen Abstraktionsgrad erreicht.
Unter http://beta.friendfeed.com/ hat FriendFeed nun die offizielle Betaphase für die nächste Iteration des sich wohl am schnellsten verändernden Webdienstes eingeläutet und verlässt in meinen Augen nun endgültig den Status als Lifestreaming-Dienst. Was eine gute Sache ist.
Die Neuerungen
Die wichtigste Neuerung neben der neuen Oberfläche ist die Tatsache, dass jetzt alles auf FriendFeed live und in Echtzeit abläuft. Man kann sich das beeindruckende Verhalten, welches Echtzeitweb-Darling Twitter recht altbacken aussehen lässt, in diesem Video anschauen:
Über einen kleinen Pause-Button oben rechts kann man die Echtzeit-Ansicht anhalten. Die Ansicht bleibt dann auch trotz Refresh oder einem Aus- und wieder Einloggen solang angehalten, bis man die Echtzeit-Ansicht wieder einschaltet.
Eine weitere interessante Neuerung sind Filter, mit welchen man Themen oder Keywords über definierte Gruppen von FriendFeed-Usern tracken kann:
Da FriendFeed Inhalte aus allen Ecken des Webs aggregiert, ist dieses Tracking-Feature äußerst praktisch.
Außerdem besitzt FriendFeed nun die Möglichkeit, private Nachrichten zu versenden. Private Nachrichten werden über das gleiche Eingabefeld versendet, über das man in den eigenen Feed oder in Räume posten kann. Die privaten Nachrichten erscheinen lediglich durch ein spezielles Zeichen hervorgehoben im normalen Feed. Das ist auf den ersten Blick verwirrend, hilft aber beim nahtlosen Konsum von privaten und öffentlichen Diskussionen. Alles in einem Fluss.
Im Verbund mit der Echtzeit-Darstellung sehe ich hier großes Potential. Nicht zuletzt auch weil einige des Gmail-Teams hinter FriendFeed stecken, erwarte ich hier einige innovative Ansätze in naher Zukunft.
FriendFeeds Zukunft
Bemerkenswert ist, wie schnell die Beta-Site reagiert. Nicht nur ist die Umsetzung der Echtzeit-Ansicht siteweit eine technisch beachtliche Leistung (Failwhale, anyone?), auch die Reaktion von FriendFeed beim Ausführen von Aktionen ist so schnell wie bei keinem anderen mir bekannten Dienst. FriendFeed ist eine bemerkenswerte technische Leistung. Dazu kommt die Entwicklung eines Algorithmus, welcher die Einträge nach Kommentaren und ‘Likes’ (positiven Bewertungen) besser gewichtet als es meiner Meinung nach bei Facebook der Fall ist.
Streams an Einträgen (Nachrichten oder private Mitteilungen) ist der Zukunftstrend im Web schlechthin.
Es gibt einen guten Grund, warum Facebook, Twitter und FriendFeed sich mittlerweile so ähnlich sind. Sie alle nähern sich von ihren jeweiligen konzeptionellen Standpunkten einer optimalen Darstellungsweise von Aktivitäten im Social Graph bzw. des Follower-Prinzips an.
Die Zukunft von FriendFeed zumindest was die Geschäftsmodell-Seite angeht, kann ich mir deswegen gut im B2B-Bereich vorstellen. Das Lizenzieren des Gewichtungs-Algorithmus oder gleich der ganzen Technologie zum Darstellen der syndizierten Aktivitäten könnte für nicht wenige kleinere Social Networks interessant sein. Bekanntermassen ist der Newsfeed nicht unerheblich für den Erfolg von Facebook gewesen. FriendFeed hat hier aktuell in jeder Hinsicht die beste technische Umsetzung am Start.
Mit einem angepassten Newsfeed auf Basis der FriendFeed-Technologie könnten selbst technische Steinzeitgeschöpfe wie studiVZ in die Gegenwart und Konkurrenzfähigkeit gestossen werden.
Als alleiniges Konsumentenprodukt bin ich mir bei FriendFeed zumindest für die nächsten ein, zwei Jahre nicht sicher, ob es zum Erfolg reicht. Nicht wegen Twitter, sondern wegen Facebook, das vieles von FriendFeed schlicht kopiert hat, eine ähnliche Funktionalität bietet und mit knapp 200 Millionen aktiven Usern ungefähr 100 Mal größer sein dürfte. Hier hat FriendFeed das Problem, dass auf der einen Seite viele Funktionen bereits vom Web-2.0-Gorilla ähnlich genug abgedeckt werden und andererseits FriendFeed selbst sein Publikum aus der Teilmenge von Web-2.0-Nutzern zieht, welche viele Dienste nutzen. Das potentielle eigene Publikum wächst also zwar, ist aber noch relativ gering.
Besonders sieht man das in Deutschland. Hier gibt es kaum weitverbreitete, erfolgreiche Web-2.0-Dienste, selbst Blogs tun sich hierzulande noch schwer. Deshalb dürften wenige den Weg zum Aggregator der nächsten Stufe gefunden haben (unabhängig davon, dass FriendFeed bereits seit langer Zeit mehr als das war). Auch die deutsche Übersetzung hat daran anscheinend nichts geändert.
Einige sind von der Echtzeit-Ansicht überfordert. In der Tat: Wer vielen folgt, dürfte vom Updates-Tsunami auf der Homepage überrumpelt worden sein. Hier hilft das Anlegen von Listen. Wer nur einer Handvoll Leuten auf FriendFeed folgt, dürfte die neue Ansicht allerdings recht angenehm finden. Ich gehe aber davon aus, dass im Laufe der Beta noch andere Lösungen implementiert werden. Etwa wäre eine Option zum Einstellen der Geschwindigkeit, mit der Updates aufgefahren werden, sinnvoll.
Alles in allem finde ich die neue Ansicht äußerst gelungen. Es zeigt, was im Echtzeitweb möglich ist. Weist die FriendFeed-Beta-Ansicht doch vor allem Twitter und seine API-Beschränkungen klar in die Schranken. Selbst die neue Echtzeitansicht bei Facebook wirkt gegen FriendFeed behäbig.
Die anderen Neuerungen, wie Filter und private Nachrichten machen FriendFeed noch mächtiger. Und das, während dieser Dienst bereits vorher das schweizer Taschenmesser des Social Web gewesen ist.
FriendFeed ist nach GoogleReader für mich die wichtigste Anlaufstelle für das Finden und Konsumieren von Nachrichten. Neben der Site sind besonders die XMPP-Anbindung und die mobile Site wichtig. In Verbindung mit Listen und imaginären Freunden (Accounts für Feeds, die nicht von ihrem Publisher auf FriendFeed eingespeist werden) machen diese Features FriendFeed zum mächtigsten Tool für den Nachrichtenkonsum seit der Erfindung des Feedreaders. Für die üblichen Desktop-Clients und Mashups bietet FriendFeed seit langer Zeit auch eine API an, diese wird aber noch eher selten genutzt.
Wer Journalist oder professioneller Blogger ist oder anderweitig beruflich mit dem zeitnahen Verarbeiten von Informationen zu tun und FriendFeed nicht einsetzt, erweist sich selbst einen Bärendienst.
Ob FriendFeed seinen Platz zwischen Twitter und Facebook finden wird, wird sich zeigen. Technisch ist man zumindest bestens ausgerüstet. Sollte es am Konsumentenmarkt also nicht reichen, bietet sich deshalb in meinen Augen auch ein B2B-Ansatz für ein künftiges Geschäftsmodell an. Aktuell ist die Nutzung aber zumindest in den USA recht intensiv.
Social Objects Jaiku Gründer Jyri Engeström beschrieb auf der Web 2.0 Expo seine Theorie der ‘Social Objects’. Seine fünf Grundprinzipien gehören zu den besten Tipps, die man Startups geben kann.
Handelsblatt Thomas Knüwer gratuliert dem Handelsblatt zum erfolgreichen ‘Experiment’ mit Twingly. Seit sie das Trackback-Widget eingebaut haben, haben sich die Links auf Artikel des Handelsblatts vervierfacht.
Kleine Nebenbemerkung: Die Washington Post hatte schon 2005 mit Technorati einen ähnlichen Deal, aus den Erfahrungen anderer Publikationen scheint man nur sehr entschleunigt lernen zu wollen. Dafür klopft man sich dann umso begeisteter auf die eigene Schulter.
Web Trend Map Die Information Architects veröffentlichen die neueste Ausgabe der Web Trend Map. Nette Visualisierung der wichtigsten Anwendungen und Protagonisten.
Android Die New York Times berichtet, dass T-Mobile Android für verschiedenste Produkte evaluiert. Anfang nächsten Jahres könnte es Betriebssystem für eine normale Telefonanlage sein.
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Safari Books Online enthält jetzt auch 200 deutschsprachige Titel. Bis zum Jahresende werden mehrere Hundert IT-Fachbücher online zugänglich sein.
Die Zukunft des gedruckten Buches ist ein Thema, das uns in letzter Zeit öfterbeschäftigt hat.
Die Strategie von O’Reilly dürfte eine der vielversprechendsten sein, weil sie sowohl in der analogen, als auch der digitalen Welt verankert ist. Einerseits betreiben sie mit O’Reilly einen Verlag, der Fachbücher in den Bereichen Programmierung, Betriebssysteme, Netzwerke, Webdesign und Webprogrammierung publiziert.
Gleichzeitig betreiben sie mit Safari Books Online eine Plattform für eBooks, Videos und anderen Materialien, auf der nach dem Abo-Prinzip Zugang zu mehreren Tausend Titeln von den meisten bekannten Computerbuchverlagen ermöglicht wird.
Ab sofort gibt es bei Safari Books auch eine ‘German Basic Tech Library’. Die Seite selbst ist zwar noch auf Englisch, aber deutschsprachige Bücher werden fortan erfasst und zugänglich gemacht. Zum Start gibt es 200 Bücher der Verlage O’Reilly, dpunkt, Markt+Technik, Addison-Wesley und Wiley. Bis Jahresende sollen es einige Hundert mehr sein.
Safari Books Online ist unspektakulär, aber nützlich. Man kann in Kategorien stöbern oder nach Titeln bzw. Begriffen suchen. In der Folge kann man die Bücher im Volltext online lesen oder (je nach Plan) als PDF-Dokument herunterladen. Für die eigene Arbeit wichtige Bücher können zu den Favoriten hinzugefügt werden, man kann sich Notizen machen. Das war es dann aber eigentlich auch schon.
Dennoch ist das Geschäftsmodell zukunftsweisend. Kunden bezahlen nicht für einzelne Bücher, die sie dann besitzen, sondern für den Zugang zu einer Bibliothek, die sich ständig aktualisiert.
Gleichzeitig bietet die Plattform tatsächliche Anreize, die mehr Wert sind als die Summe der digitalen Kopien von Titeln, an die man mit etwas kreativer Energie eigentlich immer kommt. Der Zugang ist vollständig, bequem und man hat bei aktuellen Trends auch die Möglichkeit, Bücher schon während des Entstehungsprozesses einzusehen.
Die Gebühren der GEMA für On-Demand-Streaming gehen an den ökonomischen Realitäten im Netz vorbei.
Anm. d. Red.: Dieser Gastbeitrag stammt von Petar Djekic. Petar Djekic beschäftigt sich als Director Marketing bei der Musikentdeckungsmaschine mufin mit allem, was das Web 2.0 an Musik hergibt. Er ist am besten über Xingerreichbar.
Dieser Artikel spiegelt die persönliche Meinung des Autors wieder und muss nicht mit der Einstellung von mufin übereinstimmen.
Der geplatzte Deal zwischen YouTube und GEMA hat wieder eine Diskussion um Musik im Netz, tragfähige Geschäftsmodelle und die Situation von Musikstartups in Deutschland angefacht. Der Zeitpunkt des Scheiterns des YouTube/GEMA-Deals ist interessant, da letzte Woche wieder einiges im Musikweb passiert ist. Nicht nur steht mit steereo ein neues Holtzbrinck-Musikstartup in Deutschland in den Startlöchern, sondern auch Google hat mit Google Music China seine ‘alles-umsonst-und-legal-und-saug-oder-hör-so-viel-du-willst’-Musikplattform aus der Beta geholt. Derzeit hat die Plattform 350.000 Songs, anvisiertes Ziel sind aber 1,1 Millionen - mit voller Unterstützung der Major-Labels versteht sich. Der Chef von Warner Music Asia Lachie Rutherford kann kaum an sich halten: “I can’t overestimate how important this is”. Leider fehlte der Nebensatz “and I can’t wait to bring this to the U.S. and European markets”. Während so knapp 20% der Weltbevölkerung in den Genuss eines werbefinanzierten On-Demand-(und MP3-Download!-)Musikservices kommt, strauchelt die Musikplattform Imeem in den USA und SeeqPod hat vorsichtshalber direkt Insolvenz angemeldet.
Doch wie sieht es in Deutschland mit (On-Demand-) Musikservices aus, jetzt wo YouTubes Musikangebot vorläufig auf Eis liegt? Die Anzahl der deutschen Musikstartups ist überschaubarer als in den USA, ganz zu schweigen von denen, die auch On-Demand-Streaming ganzer Musiktitel anbieten.
Die Gebühren der GEMA sind schuld, oder etwa nicht? Ein kurzer Blick in die Gebührenordnung der GEMA für Musikangebote lässt einem in der Tat die Haare zu Berge stehen:
Für jeden per On-Demand abgerufenen Song fallen 13 Cent an, 0,1278€ um genau zu sein. 19 Cent fallen an, wenn die Einnahmen des Musikservice nicht nur aus dem Streaming der Musik stammen. Produktdiversifizierung ist als Musik-Startup in Deutschland nicht zu empfehlen.
Wer sein Kapital noch schneller verbrennen möchte, sollte einen On-Demand-Streaming-Service für Musik in Überlänge aufmachen: Wenn ein gestreamter Titel über 5 Minuten dauert, fällt für jede weitere Minute ein zusätzliches Entgelt an. Wenn selbst YouTube, beziehungsweise YouTube-Besitzer Google, bei einem Preis von einem Cent pro gestreamten Titel ins Schleudern kommt, ist es nicht verwunderlich, dass sich die deutsche Musikstartup-Landschaft weitgehend auf Radio-Modelle beschränkt. Zum Vergleich: Imeem zahlt angeblich $0,004 pro Stream in den USA. Wenn tausend Seitenabrufe mit etwa einem Euro (Tendenz fallend) im Werbemarkt abgegolten werden, braucht es kein BWL-Studium, um sich auszumalen, dass sich ein rein werbefinanzierter Musikservice nicht dauerhaft halten kann.
Die Preispolitik der GEMA lässt sich nur dadurch herleiten, dass bei der Berechnung, die aufgrund der Angabe bis vier Stellen nach dem Komma zweifelsfrei stattgefunden hat, der klassische Vertrieb physischer Tonträger zugrunde gelegt wurde. Dieses Modell geht aber an der wirtschaftlichen Realität vorbei. Genau wie die meisten Künstler heutzutage kleinere Brötchen backen müssen, so werden sich auch die Strukturen der Musikindustrie an einen generell kleineren Kuchen anpassen müssen - shift happens. Insgesamt ist die aktuelle Marktsituation einem Ökonomie-Lehrbuch entnommen. Die GEMA kann einen Monopolpreis setzen, wodurch das Angebot (Anzahl der On-Demand-Streamingangebote) aufgrund des überhöhten Preises unter der gesellschaftlich gewünschten Anzahl bleibt. Das diese besteht, zeigt nicht zuletzt die Berichterstattung über den YouTube/GEMA-Deal in der Tagesschau.
Auch wenn Verwertungsgesellschaften wie die GEMA eine wichtige Aufgabe für ihre Künstler erfüllen, sollten sie sich genau überlegen, ob sie mit der aktuellen Preispolitik nicht genau diesen einen Bärendienst erweisen. Denn die Kids wissen, wie sie Musik im Netz bekommen - mit oder ohne GEMA.
Facebook Facebook testet ein eigenes Währungssystem.
Klar ist derzeit nur, dass Social Networks gesellschaftliche Strukturen abbilden und wie Facebook – mit bald 200 Mio. Mitgliedern weltweit – inzwischen Dimensionen erreicht haben, die an die Bevölkerung großer Staaten heranreicht. Deshalb sind Social Networks prädestiniert dafür, ihre Mitglieder auf absehbare Zeit durch eigene Währungssysteme noch stärker zu vernetzen und den Austausch von Waren und (Dienst-)Leistungen zu fördern.
Kulturflatrate Aus der endlosen Geschichte Kulturflatrate: Ein Gutachten des Instituts für Europäisches Medienrecht hält eine Kulturflatrate in Deutschland sowohl für rechtlich machbar als auch für die Künstler wünschenswert.
Scala Twitters CTO Alex Payne hat auf der Web 2.0 Expo ausgeplaudert, dass Twitter evaluiert, auf die weniger bekannte (und aus der Schweiz stammende) Programmiersprache Scala umzusteigen.
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Linguee ist ein neuer Übersetzungsdienst, der Wörter und Wortgruppen in Hinblick auf deren Kontext übersetzt. Innovativ ist auch, wie das Kölner Startup dies realisiert: Es nutzt das Web als Wörterbuch.
Nahezu jeder, der sich häufig mit dem Web beschäftigt, einem Studium nachgeht oder in der Internet- und Medienwelt tätig ist, kommt ab und an mit englischsprachigen Texten in Kontakt. Ein leistungsfähiges Onlinewörterbuch gehört daher zu den essenziellen Werkzeugen für viele User. Leider sind herkömmliche Übersetzungsservices wie LEO oder pauker.at nicht in der Lage, zu übersetzende Wörter oder Wortgruppen in ihrem Kontext zu erfassen, weshalb Anwender nicht selten auf völlig falsche sprachliche Fährten geleitet werden.
Mit einem mehr als cleveren Ansatz nimmt sich Linguee, ein junges Startup aus Köln, diesem mitunter ärgerlichen Problem an. Das Unternehmen entwickelt seit einem Jahr etwas, das sich treffend als Übersetzungssuchmaschine bezeichnen lässt. Die beiden Linguee-Gründer Dr. Gereon Frahling und Leonard Fink hatten die geniale Idee, ganz einfach hunderttausende im Netz befindliche, sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch vorliegende Dokumente als Grundlage für ihren Service zu nehmen.
Linguee durchsucht das so genannte “zweisprachige Web”, insbesondere professionell übersetzte Webseiten von Firmen, Organisationen und Universitäten, sowie EU-Dokumente und Patentschriften. Wer über Linguee nach einem Wort oder einer Wortgruppe sucht, erhält eine Liste von im Internet gefunden Texten, die die gesuchten Ausdrücke enthalten - und zweisprachig vorliegen. Statt also wie klassische Onlinewörterbücher in einer Datenbank den deutschen und den dazugehörigen englischen Begriff zu speichern, zeigt Linguee in seiner Resultatliste an, wie die gesuchten Wörter im Web in ihrem jeweiligen Zusammenhang eingesetzt wurden - und hilft somit erheblich besser zu verstehen, welches englische Wort in welchem Kontext üblich ist.
Die Ergebnisse werden in zwei Spalten angezeigt. Links finden sich die gefundenen Dokumente in der Ausgangssprache, rechts in der Zielsprache. Suchergebnisse können bewertet und von Usern bearbeitet/verbessert werden. Um einen weitgehend kompletten Überblick über mögliche Übersetzungen zu geben, liefert Linguee zusätzlich “klassische” Übersetzungen von Beolingus, dem Onlinewörterbuch der TU Chemnitz.
Die Idee, das Internet zu crawlen, als Wörterbuch einzusetzen und der Onlineübersetzung dadurch einen semantischen Anstrich zu geben, ist laut Linguee-Gründer Gereon Frahling bisher einmalig. Bei der Entwicklung hilfreich waren Frahling seine Erfahrungen von einer Postdoc-Stelle in der Forschungsabteilung von Google in New York, die er nun zu Gunsten der Selbstständigkeit aufgeben hat. Gerade was den Umgang mit großen Datenmengen, die Qualitätsbewertung sowie den Such-Index betrifft, konnte der junge Unternehmer einiges bei Google lernen - wovon er und sein Kompagnon Leonard Fink nun bei der Entwicklung von Linguee profitieren.
Refinanzieren wollen die zwei Gründer ihr Startup über Werbung in den Ergebnislisten. Beide haben einen technischen Hintergrund und den Dienst vollständig selbst finanziert. Auch angesichts der bisher geringen Entwicklungskosten - alles wurde Inhouse selbst aufgezogen und programmiert - gehen sie die Monetarisierungsfrage entspannt an. Konkrete Gespräche mit Investoren laufen aber, um in Zukunft mehr Mittel für die geplante Expansion in andere Sprachen und Märkte (z.B. Spanisch-Englisch, Französisch-Englisch) zur Verfügung zu haben.
Frahling empfiehlt Linguee primär für den beruflichen Einsatz - ganz einfach, weil umgangssprachliche Ausdrücke und Schimpfwörter im zweisprachigen Web nur selten zu finden sind. Prädestiniert ist Linguee für Unternehmenspräsentationen, Pressemeldungen und Fachtexte mit speziellem Vokabular - und hat auf mich im Praxiseinsatz einen sehr guten Eindruck gemacht.
Linguee hat den öffentlichen Beta-Test gestartet und ist ab sofort für alle zugänglich.
In dieser Rubrik stellen wir jede Woche einige kleinere Tools aus dem deutschen Sprachraum vor, die vor kurzem gestartet sind.
Dieses Mal: discounto – eine Schnäppchensuchmaschine; Factolex – ein Community-gestütztes Fakten-Lexikon; Comicstars – eine Comics-Community; und Twitmeet - Verabreden via Twitter.
discounto ist eine Preissuchmaschine für den regionalen Bereich. Gesucht werden kann in den aktuellen Angeboten einiger Discounter (Aldi, Lidl, Netto, Norma, Penny, Plus und Tchibo) in der jeweiligen Umgebung.
Produkte sind in einigen Kategorien organisiert und die Prospekte kommender Angebote sind auf einem Kalender einzusehen.
Factolex ist ein Community-gestütztes Fakten-Lexikon. Im Gegensatz zur Wikipedia geht es dabei also weniger um ‘Aufsätze’ zu einem Thema, sondern um granulare Informationseinheiten, die alle wiederum miteinander vernetzt sein können.
Der Ansatz ist nicht uninteressant. Allerdings gibt es natürlich viele Fakten und jedes User-getriebene Lexikon hat das Grundproblem, dass der Wert und die Motivation zur Teilnahme erst ab einem gewissen Grad der Vollständigkeit entsteht. Sites wie Freebase sind mit einigen Millionen erfassten Fakten schon deutlich weiter.
Comicstars ist eine Community rund um selbst erstellte Comics. Angehende Künstler können jede Art von Comics oder Mangas hochladen, kommentieren und bewerten. Es gibt die üblichen sozialen Features, und einige ‘coming soon’-Platzhalter deuten an, dass die Seite noch ausgebaut wird.
Twitmeet ist ein kleines Tool zum Verabreden via Twitter. Gastgeber posten Ort, Zeit und Anlass, interessierte Teilnehmer antworten auf den Tweet. Auf Twitmeet sieht man dann auf einen Blick, wer am Termin teilnimmt.
Die studiVZ-Gruppe lässt sich einmal mehr von Facebook “inspirieren” und startet mit Edelprofilen eine Möglichkeit für Unternehmen und Organisationen, öffentliche Profile bei studiVZ und meinVZ anzulegen.
Ende 2007 führte Facebook einen neuen Typ von Profilseiten an, der sich direkt an Unternehmen, Organisationen sowie bekannte Persönlichkeiten richtete: Pages. Anfang März diesen Jahres wurde das Pages-Konzept von Facebook gründlich überarbeitet und läuft seitdem unter dem passenderen Namen “Public Profiles”.
Es hat fast anderthalb Jahre gedauert, aber nun zieht die studiVZ-Gruppe nach und bestätigt mit der neuen Funktion “Edelprofile”, dass sie das Kopieren von Facebook-Funktionen nicht verlernt hat. Edelprofile sind keine Premiumversion herkömmlicher Nutzerprofile, sondern das studiVZ-Pendant zu Facebooks Public Profiles. mehrblog.net macht auf das neue Feature aufmerksam.
Inhalte auf Edelprofilen können flexibel gestaltet und angeordnet werden. Jedes Profil hat eine Gruppe und eine Pinnwand. Anders als bei Userprofilen kann man Edelprofile nicht als Freunde hinzufügen, sondern die Option “Finde ich gut” auswählen - diese entspricht der “Fan werden”-Funktion bei Facebook. Teile der Edelprofile, die vorerst nur für studiVZ und meinVZ verfügbar zu sein scheinen, sind außerdem auch für Anwender ohne Mitgliedschaft in den beiden Social Networks möglich.
Die Edelprofile von studiVZ sind damit fast identisch mit Facebooks Public Profiles. Wer auf einem Edelprofil die Option “Finde ich gut” wählt, zeigt anschließend diese Präferenz in einer entsprechenden Box auf seinem Profil. Während des “Finde ich gut”-Prozesses erfahren Nutzer auch, dass sie fortan immer mitbekommen, wenn es auf dem Edeprofil etwas Neues gibt. Wie dies ablaufen soll, wird aber nicht deutlich, denn ein wichtiges Element der Facebook-Variante fehlt bei studiVZ nach wie vor: der Newsfeed, der Updates der eigenen Kontakte und bevorzugten Profile zentral aggregiert.
Die Edelprofile von studiVZ und meinVZ findet ihr hier. Ab wann jeder ein solches Edelprofil erstellen können, wie der Einrichtungsprozess aussehen und ob die Erstellung kostenpflichtig sein wird, ist derzeit unklar. Wir haben mit studiVZ Kontakt aufgenommen und aktualisieren den Beitrag, wenn wir mehr wissen.
Digitale Gesellschaft Wunderbarer Text von Peter Glaser. In was für einer (digitalen) Gesellschaft leben wir eigentlich, und in was für einer wollen wir leben?
sevenload Auf YouTube verschwinden die Musikvideos, bei sevenload tauchen sie wieder auf. Zumindest der Musikkatalog von Universal Music bekam bei sevenload einen eigenen Kanal, bis zum Sommer 2009 wird das Angebot auf insgesamt über 3.000 Musikvideos ausgebaut.
mite und SalesKing Die API von mite erfreut sich weiterer Beliebtheit. Nach billomat können Arbeitszeiten aus mite nun auch in SalesKing importiert werden. Mit SalesKing, das derzeit nur auf Einladungsbasis genutzt werden kann, können Rechnungen und Angebote online erstellt, verwaltet und via Mail verschickt werden.
Qype Mehr API-Content: Qype hat die Gewinner der Qype API Challenge bekanntgegeben. Gewinner ist das Wordpress-Plugin All in One Qype Suite. Auf den Plätzen liegen die Android-Anwendung Wikitude und das hier schon erwähnte MapTheQ.
Google Der erste April wird vor allem von Google genutzt, um zahlreiche – oft gut simulierte – neue Features vorzustellen. Philipp Lenssen gibt einen Überblick.
Hier erscheinen von Montag bis Freitag ausgewählte Links zu lesenswerten Texten und aktuellen Entwicklungen. Hinweise auf Texte gern an tipps.netzwertig at blogwerk.com
Mit eBay Selling Manager Applications lanciert eBay eine Plattform für Anwendungen, die auf die Bedürfnisse von Verkäufern zugeschnitten sind.
eBay hat gestern den Startschuss für eBay Selling Manager Applications abgegeben. Die sicherlich von Facebook inspirierte Plattform ermöglicht es Entwicklern, Anwendungen zu bauen, die direkt in eBay integriert werden können.
eBay setzt dabei auf die Gadget-Spezifikation von OpenSocial. Für Entwickler bedeutet das eine gewisse Investitionssicherheit, weil sie ihre Anwendungen auch in anderen Umgebungen wiederverwenden können.
Wie es der Name andeutet liegt, der Fokus der Plattform auf Anwendungen, die Verkäufern das Leben erleichtern und beim Verkaufsprozess – etwa durch Marktanalyse, beim Kundendienst, bei der Verwaltung des Inventars, der Buchhaltung, etc. – unterstützen sollen.
ReadWriteWeb beschreibt sehr schön die Win-Win Situation: Entwickler bekommen besseren Zugang zu Verkäufern und Verkäufer bekommen bessere Tools.
Mit derzeit sieben Anwendungen ist das Angebot zwar noch etwas dünn, aber man sieht das Potential. Drei Beispiele:
MyStoreMaps integriert eine Map in Listings, die dynamisch den Ort bisheriger Käufer visualisiert. Kostenpunkt: 20 Dollar im ersten Jahr.
MyStoreRewards ist ein Belohnungsprogramm, mit dem Benutzer zum wiederholten Kauf animiert werden sollen. 8 Dollar pro Monat.
Terapeak ist ein Analysetool, mit dem der Wert eines Artikels eingeschätzt werden kann. 25 Dollar monatlich.
Der durch das Netz ausgelöste Medienwandel ist geprägt von komplett neuartigen Dynamiken und geht tiefer, als es sich die meisten Beobachter eingestehen wollen.
Nicht nur gestern wieder auf der re:publica während eines eher enttäuschenden Panels zum Thema Medienwelt im Wandel, das vor allem mit Ratlosigkeit glänzte, sondern auch in Gesprächen oder in den Kommentaren zu unseren Artikeln hier auf netzwertig.com fällt mir immer wieder folgendes auf. Dem Gemeinplatz “Das Internet verändert alles!” können zwar in der Regel alle oder zumindest viele zustimmen, aber sobald man anfängt, über die bereits stattfindenden und/oder sich abzeichnenden Veränderungen im Detail zu sprechen, gehen viele in eine Abwehrhaltung über.
“Kann sich ja alles von mir aus verändern, aber bitteschön nicht mein Geschäftsmodell.”
“Kann sich ja alles von mir aus verändern, aber bitteschön nicht mein Weltbild.”
Tatsächlich gibt es, glaube ich, ein grundlegendes Verständnisproblem, wie tiefgreifend der Wandel durch das Netz eigentlich ist.
Vor allem viele Medienmacher gehen irrtümlich davon aus, dass der Vertriebsweg der eigenen Medien - sei es nun Nachrichten oder Musik oder etwas anderes - sich lediglich digitalisiert und ins Netz verlagert.
Das ist falsch.
Das ist nicht der Wandel. Das ist der Auslöser des Wandels.
Der Wandel, grundlegend und disruptiv, beginnt mit dem Wechsel ins Netz und stellt alles auf den Kopf.
Immer das Gleiche
Man muss die bisherige Geschichte von Medien verstehen, um die Tiefe des Wandels zu erkennen.
Print wurde zu einem Kanal für Hierarchien (=Verlage), um Rundumpakete zu verkaufen (Tageszeitungen). Als der Rundfunk hinzukam, wurde dieser zu einem weiteren Kanal für Hierarchien (=Sender), Rundumpakete anzubieten (=24h-Beschallung mit Musik und Nachrichten). Als TV hinzukam, wurde dieses ebenfalls zu einem Kanal für Hierarchien (=TV-Sender) ebenfalls Rundumpakete anzubieten (=24 Stunden Filme, Serien, Nachrichten etc.).
Für all diese Medienformen brauchte es große Hierarchien, um die Aufgabe der Produktion und Distribution zu stämmen.
Für alle diese Medienformen galt: Die Einstiegsbarrieren sind hoch. Und bei zwei von drei galt: es gibt nur begrenzte Plätze. Die Frequenzen für TV und Funk waren endlich.
Auf einer grundlegenden, abstrakten Ebene unterscheiden sich Print, TV und Rundfunk nicht stark von einander. Bei allen drei benötigte es eine ähnliche Herangehensweise - im Gegensatz zum Netz. Nur die Art des Produkts - geschriebenes Wort, Audio oder Video - war verschieden.
Das Gleiche gilt für den Musikbereich. Nimm eine große Hierarchie (=Majorlabel), um möglichst effizient und profitabel eine komplexe Aufgabe zu erledigen. Die Aufgabe dort war die Herstellung und Verbreitung von Musikaufnahmen. Kanal und Produkt, bereitgestellt von einer Hierarchie.
Immer alles aus einer Hand.
Und dann kam einfach so das Internet daher.
Here comes everybody
Egal ob Labelmanager oder Verleger, sie schauen auf das Internet und sagen: Wenn wir von der CD oder dem Print weg und hin zum Digitalen und online-only gehen, dann erst, wenn wir damit auch genügend Umsätze machen, um unsere jetzigen Unternehmen finanzieren zu können.
Das Produkt, zwar digitalisiert, bleibt in Form und Inhalt gleich. Denn es hat ja gestern so gut funktioniert. Das muss sich alles nur irgendwie refinanzieren lassen, wie weiland der analoge Kanal.
Das Problem nur?
Das muss es nicht.
Das Internet ist nicht einfach ein weiterer Kanal, der sich zeitlich einreiht nach Print, Rundfunk und TV und wie diese parallel neben den anderen Formen exisitiert.
Es saugt erstmal all diese als zugrundeliegenden Distributionskanal auf. Und spuckt die Medienwelt vollkommen verändert wieder aus.
Warum? Auch das alles kein Geheimnis:
Die Kostenstruktur des Netzes ist eine komplett andere, als die für analoge Produktion und analogen Vertrieb.Es ist oft nicht nur günstiger für Unternehmen: Privatpersonen können jetzt ohne Kosten oder zumindest in der Regel mit vernachlässigbar geringen Kosten produzieren, publizieren und distribuieren. Egal ob Nachrichten und Analysen (Blogs), Radio (Podcasts) oder Video (YouTube und co.) oder gar Musik (Über p2p vertriebene Musik, welche mit den entsprechenden Creative-Commons-Lizenzen ausgestattet ist; Vom zum Scheitern verurteilten Versuch, für digitale Musikaufnahmen entgegen ökonomischen Gesetzen Geld zu verlangen, ganz zu schweigen).
Zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte kann man all das vorbei an etablierten Institutionen machen. Das ist nicht nur toll, es verändert nebenbei auch grundlegend die Dynamiken in den betroffenen Bereichen.
Das Internet hat im Gegensatz zu allen vorhergehenden Infrastrukturen für die Mediendistribution einen eingebauten, effizienten, ja sogar systemimmanenten - weil nahezu immer eingesetzten - Rückkanal. Diese Interaktionsmöglichkeit schafft erst Angebotsformen, die es so vorher nicht geben konnte (Stichwort: Personalisierung etwa), sie zwingt auch die alten zu Veränderung und Anpassung weil sich die Erwartungshaltung ändert. Das Senden ohne Zuhören, wie es seit Jahrzehnten überall üblich war, wird zunehmend untragbar.
Das Internet kennt keine Beschränkung. Niemand muss eine Frequenz beantragen. Niemand muss gegen künstliche Barrieren ankämpfen. Wenn jeder das machen kann, was er am besten beherrscht, weil für alle Platz und Zugang ist, benötigt die Gesellschaft keine Rundumpakete mehr. Deshalb kann ein Blog wie netzwertig.com mit etablierten Medien des Technologiesektors und den Internet-Ressorts der Mainstreammedien konkurrieren. Deshalb haben Journalisten die Deutungshoheit verloren. Deshalb ist so etwas wie Wikipedia möglich.
Und hier gehen die Hierarchien
Wenn Shirky vom Undenkbaren für den Printjournalismus spricht, dann bedeutet dieses Undenkbare auch, dass nicht nur die alten großen Redaktionen mit ihrem Rundumprodukt-Ansatz im Netz (nicht zuletzt oft gelöst durch online besonders redundantes Copy&Paste von Agenturmeldungen) nicht mehr tragfähig sein könnten, sondern auch und vor allem, dass das nicht gesellschaftlich wichtig ist, weil diese Rundumpakete von der Gesellschaft nicht mehr benötigt werden. Keine Nachfrage, kein Angebot. Es geht auch effizienter.
Wenn in den USA etwas passiert, was ich online auf den jeweiligen Newsdiensten zeitnah erfahre, kann ich die Artikel dazu direkt auf den Websites der New York Times, der Washington Post oder auch der Huffington Post nachlesen. Ich kann die Meinungen von Allerweltsamerikanern auf FriendFeed oder über die Twittersuche in Erfahrung bringen.
Wenn ich dann in der Tagesschau die vereinfachte Sicht der Dinge vom Auslandskorrespondent aus Washington näher gebracht bekommen soll, ist das vor allem ein bisschen absurd.
Nun muss man natürlich unterscheiden zwischen verschiedenen Graden des Einstieges in eine Materie. Ich bin kein Beispiel für den Otto-Normalnachrichtenkonsument. Und ich, wie jeder andere auch, steige nur bei Dingen, die für mich von persönlichen oder professionellen Interesse sind, tiefer ein, als Menschen mit anderen Interessen. Aber die Frage bleibt: Was kann der in Washington sitzende Kollege in Erfahrung bringen, was die Tagesschau-Redaktion in Deutschland nicht über das Netz recherchieren könnte? Mit Verlaub, ein Korrespondent in Washington kann es nicht mit der investigativen Macht der örtlichen Presse und Bloggerschaft aufnehmen. Er ist hauptsächlich dort, weil das Prinzip zu einer Zeit eingeführt wurde, als Informationen noch nicht online global abgerufen werden konnten - und weil es einfach wichtig aussieht.
Das ist nur ein Beispiel, und es funktioniert für Washington aber nicht für Bagdad. Aber dennoch: Es zeigt deutlich die Tendenz. Was früher aufgrund der Beschränkungen der Welt notwendig war, ist heute auf einmal nicht mehr so. Die Folge sind effizientere Wege als alles aus einer Hand kommen zu lassen.
Die Tendenz ist weg von der Hierarchie, hin zum Netzwerk.
Weitere Beispiele:
Memetracker wie Rivva und GoogleNews sind bessere Startseiten als es SPON, faz.net und co. je sein könnten. Zumindest solang letztere am redaktionellen Prinzip und dem selbst angebotenen Rundumpaket mit der vorgetragenen Illusion festhalten, man sei die einzige Nachrichtensite.
Musikblogs und Aggregatoren wie Hypemachine und Vertriebswege über p2p sind um Dimensionen effizientere Wege für die Musikverbreitung als Majorlabels in Verbund mit Radiostationen und MTV es je waren.
Und so weiter, und so fort.
Bei all dem die gleiche Konsequenz: Die alten Hierarchien sind nicht nur nicht mehr profitabel im Netz, sie werden von der Gesellschaft auch nicht mehr in dieser Form benötigt. Die Angebote kommen über andere, effizientere Wege, die erst durch das Netz entstanden sind. Diese sind effizienter, weil sie die Eigenschaften des Netzes nutzen.
Die kleinste Einheit
Noch mehr Veränderung gefällig? Bitte sehr:
Die Loslösung von den Rundumpaketen führt dazu, das die kleinste verbreitete Einheit sich verändert.
Print: War die Printzeitung, in der alles aktuell Wichtige stand - bzw. so viel vom Vortag, wie der Umfang es zulies - einst die kleinste Einheit, die vertrieben wurde, sehen wir heute Fachblogs, die Nischen besetzen. Kein Blog bildet in seinem Bereich alles ab. In der Regel sind Fachblogs noch stärker fokussiert als entsprechende Magazine (sie können aber gleichzeitig aufgrund der fehlenden Platzbegrenzung gleichzeitig noch weiter in die Tiefe gehen). Erst eine Mischung aus vielen kleinen Onlinepublikationen bzw. Blogs führt zu einem Gesamtbild, wie man es von den alten Publikationsformen kannte.
Aber hier kommt der Kicker: Nicht die Blogs sind die kleinste Einheit für das geschriebene Wort im Netz, sondern der einzelne Artikel. Immer mehr zeichnet sich ab, dass der einzelne Artikel, losgelöst vom digitalen Ursprungsort, künftig die kleinste distribuierte Einheit sein wird. Bereits jetzt kann man sehen, dass Links auf Twitter, Facebook, Digg und co. und auch nicht zuletzt auf Google News für die Verbreitung von Artikeln wichtiger oder zumindest ebenbürtig der Site selbst und ihrem Feed werden.
Nimmt man den Feedreader und Shared Items vom Google Reader hinzu, löst sich der Artikel vollständig vom Veröffentlichungsort: Irgendjemand teilt den Artikel mit seinen Bekannten im Google Reader und jeder, der diesen Shared-Items-Feed abonniert hat, bekommt den Artikel im Feedreader komplett losgelöst von der ursprünglichen Publikation zu lesen.
Musik: Ähnliches gilt für den Musikbereich. Das Album, seinerzeit eingeführt wegen der Beschränkungen von Vinyl, ist tot. Die kleinste Einheit ist der Song. Kein Musikblog postet ein ganzes Album, sondern nur einzelne Songs. Wann immer Konsumenten die Möglichkeit erhalten, einzelne Songs zu erwerben, bevorzugen sie diese Möglichkeit vermehrt gegenüber dem gesamten Album. Hinzu kommen digitale Möglichkeiten des Filterns und Sortierens. Wer seine MP3-Sammlung nach seinem Geschmack bewertet hat, wird immer seltener ganze Alben anhören, geschweige denn sich an die vorgegebene Abspielfolge halten. Ob Musiker am Album-Format festhalten oder nicht, in ein paar Jahren werden diese für ihren Bekanntheitsgrad keine Rolle mehr spielen.
Fazit
“Kann sich ja alles von mir aus verändern, aber bitteschön nicht mein Geschäftsmodell.”
“Kann sich ja alles von mir aus verändern, aber bitteschön nicht mein Weltbild.”
So funktioniert das natürlich nicht. Das Internet ist nicht dafür bekannt, um Erlaubnis zu fragen.
Auch wenn vieles im Artikel abstrakt und theoretisch klingen mag: Erst wenn wir anfangen, die im Artikel beschriebenen und die angedeuteten Implikationen zu akzeptieren und zu betrachten, können wir über künftig funktionierende Lösungsansätze nachdenken und diskutieren. Bis dahin treten wir auf der Stelle.
Das Internet ist nicht die digitale Fortsetzung der analogen Medienwelt. Es ist eine neue Welt mit neuen Spielregeln.
Leider ist der öffentliche Diskurs im deutsprachigen Raum von dieser Erkenntnis noch sehr viele lange und zähe Jahre entfernt. Und das ist nicht zuletzt so, weil die, welche den Diskurs führen müssten, am stärksten vom Wandel betroffen sind.
Mit dem Gadget “Poken” des gleichnamigen Schweizer Startups soll das lästige Austauschen von Visitenkarten und das gegenseitige Suchen in sozialen Netzwerken der Vergangenheit angehören: Per “Handschlag” überträgt die kleine Hardware Visitenkartendaten und Benutzerprofile. Aber ist es wirklich so einfach zu bedienen?
Wenn man den “Poken” für rund 14 Euro gekauft hat und zum ersten Mal in der Hand hält, wird man unfreiwillig an ein Tamagotchi denken (die Älteren werden sich erinnern). Klein wie eine Streichholzschachtel, viel Plastik und vor allem sehr japanisch. Egal in welcher Ausführung, ob als Panda-Bär, als Totenkopf oder als Biene: Das Poken sieht immer süss und kindlich aus - eine neue Form der Visitenkarte. Ob dieses Design in den Teppich-Etagen grosser Unternehmen auf Zustimmung stösst, ist fraglich. Es richtet sich wohl an jüngere Zielgruppen und Early-Adopter. Gut, dass ein Poken für das Geschäftsumfeld für den Sommer geplant ist.
Der Handschlag
Zieht man den Körper des Poken ab, versteckt sich im Arm ein 1GB-USB-Stick, der aber leider nicht beschrieben oder anderweitig genutzt werden kann. Im Arm befindet sich zusätzlich ein RFID-Chip zur kontaktlosen Datenübertragung. Vor der ersten Nutzung des Poken muss auf der Poken-Website ein Benutzerprofil angelegt werden. Soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter oder Xing können durch Eingabe der Login-Daten ergänzt werden.
Trifft man nun einen weiteren Poken-Besitzer, so wird der Poken durch Druck auf den Knopf aktiviert. Er leuchtet zur Bestätigung kurz auf. Hält man die Hände der beiden Poken aneinander, werden über eine Funkverbindung die Daten der Nutzer getauscht. Künftig findet man dann das Poken-Profil des neuen Bekannten in seinen Kontakten und kann sich in den im Poken-Profil angegebenen Netzwerken mit ihm verbinden. Social networking per Mausklick also, zusammengeführt durch Poken.
Der Effekt des Verbindens via Handschlag ist zunächst sehr cool. Man schlägt ein, das Poken bestätigt per Signal die Datenübertragung - und man ist gespannt, ob das alles auch geklappt hat. Denn feststellen lässt sich das erst später am Rechner.
Die Website
Man steckt sein Poken also in den USB-Port seines Rechners, startet das Programm, landet auf der Website und ist erstmal irritiert. Man hätte wohl eine Oberfläche wie bei XING erwartet, stattdessen landet man auf einer ziemlich unübersichtlichen Seite. Und damit kommen wir zum grössten Manko von Poken: der Usability.
Schon bei der Erstanmeldung und der Einrichtung der Accounts braucht man einige Zeit, um sich zu Recht zu finden. Gewohnte Begrifflichkeiten wie “Mein Profil” sind gut versteckt. So vergeht doch einige Zeit, bis man angegeben hat, was man möchte.
Wenig hilfreich ist dabei die miserable Sprache, die wild zwischen Deutsch und Englisch wechselt. Im Bereich der Datenschutzrichtlinien, der für einen solchen Service äußerst wichtig ist, springt die Sprache sogar mitten im Absatz von Deutsch auf Englisch, was den Nutzer etwas ratlos zurücklässt. Überall auf der Seite und in den AGB lassen sich Stilblüten finden. Kommasetzung findet nur in Ausnahmefällen statt. Ob die Überschrift von Punkt 2 der AGB “Wir können die Bedingungen anpassen” das Vetrauen der Nutzer erhöht, darf bezweifelt werden.
Gravierender ist aber, dass das Einrichten der Accounts vielfach nicht problemlos funktioniert. Erst beim dritten Versuch konnten im Test alle gewünschten Netzwerke angelegt werden. Wie auf der Feedback-Seite von Poken zu sehen ist, scheint dieses Problem bei vielen Nutzern aufzutreten. Immerhin ist die Auswahl gross: aus 25 sozialen Netzwerken kann ausgewählt werden.
Geister und Punktsysteme
Bug-beladen ist auch der (in unseren Augen unnötige) Ghost-Modus. Hierbei kann man per Doppeldruck auf den Knopf seines Poken sein Profil unsichtbar machen und nur die Informationen des anderen Poken sammeln. Im Test wurde der Modus mehrfach versehentlich ausgelöst. Ärgerlich, wenn man nach einer längeren Konferenz abends am Laptop feststellt, dass die Hälfte der Daten unbrauchbar ist.
Zusätzlich existiert noch ein Punkte-System, das den Nutzer fürs fleissige Nutzen des Poken belohnt. So erhält man Punkte für die Erstanmeldung, für die Verbindung mit anderen Poken und (eine besonders ausgefallene Idee) einen “Entjungferungsbonus” für den “Handschlag” mit einem unberührten Poken.
Das Punktesystem mag prinzipiell eine gute und häufig genutzte Methode zur Kundenbindung sein (Miles and More), aber was bringts dem Nutzer? Wenn man nach einer Weile über die erste Punkte-Stufe kommt (100 Punkte, Poken-Fan), erhält man 10% Rabatt auf weitere Poken-Käufe. Freunde bekommen über einen Promotion-Code ebenfalls 10%. Bei einem Kaufpreis von 14 Euro ist das aber wohl kein hinreichender Kaufanreiz. Erreicht man höhere Stufen, werden nicht näher beschriebene “Prizes and Gifts” (auch dieser Bereich ist wieder in Englisch) versprochen. Möglicherweise plant Poken ja ein simples Facebook-Spiel, in dem die gewonnen Punkte genutzt werden können oder die Poken gegeneinander kämpfen können. Bis zum Start in Deutschland, welcher noch bevorsteht, herrscht hier dringender Handlungsbedarf.
Fazit
Alles in allem ist Poken ein wirklich nettes Gadget, das sicherlich grosses Potenzial hat. Es ist günstig, es funktioniert, bietet einen klaren Mehrwert und schafft einen Will-Haben-Effekt. Aber irgendwie wird man das Gefühl nicht los, es mit einem unfertigen Produkt zu tun zu haben. Webinterface und Sprache sind unprofessionell, der Nutzen des Punktesystems ist schleierhaft. Besser wäre es wohl gewesen, simpel zu starten und dann weitere Funktionen erst nach und nach hinzuzufügen.
Unklar ist auch, wer es eigentlich nutzen soll. Jugendliche sind sowieso schon vernetzt und eher selten auf Messen anzutreffen, wo sie massenhaft Kontaktdaten austauschen. Für Manager aus grösseren Unternehmen ist das Design wohl zu kindlich und nicht seriös genug, immerhin werden hier ja private Daten übertragen. Das geplante Poken für den Geschäftsbereich könnte hier Abhilfe schaffen.
Auf Techie-Konferenzen wie der re:publica wird man sicher einigen begegnen, die auf den Hype aufspringen und den Poken nutzen, aber ob das ausreicht, um im Massenmarkt zu reüssieren? Hier könnten seriösere Designs helfen. Potenzial hätte auch die Möglichkeit die Pokens zu individuell zu branden und als USB-Sticks zu verwenden. Dann könnten auch grössere Unternehmen Poken als potenzielles Werbegeschenk oder Give-Away wahrnehmen. Für den Sommer ist immerhin schon ein Business-Poken angekündigt.