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Buchhändleralltag und Kundenwahnsinn

Buchhändler sind spießig und der Beruf ist altmodisch? Alles nur für Langweiler?-Von wegen!

Subscribe | Retrun to feeds | Users subscribed: 3 | Last Updated: Sep 07 2008, 08:19:53

Wie denn noch?

07 Sep 2008 06:48:05 | Acivasha
 
Also Buchhändler ist man natürlich auch da, um Fragen zum 'Produkt' zu beantworten. Doch manchmal scheine ich nicht besonders gut darin zu sein, etwas zu erklären.
Zu mir kam eine Kundin mit einem Band aus einer recht umfangreichen Mädchenbuchreihe.

Kundin: 'Steht in allen Bänden das Gleiche drin?'
Ich: 'Nein, jeder Band behandelt eine eigene Geschichte. Am besten, Sie fangen mit dem ersten an, dem hier. Die sind durchnummeriert.'
Kundin: 'Aber es steht auf jedem Buch der gleiche Text hinten drauf! Da muss da doch überall das Gleiche drinstehen.'
Ich: 'Der Text bezieht sich auf die ganze Reihe, nicht auf das einzelne Buch.'
Kundin: 'Hä? Versteh' ich nich'...'
Ich: 'Na, das was Sie da lesen ist die Inhaltsangabe der kompletten Geschichte. Und die ist dann aufgeteilt in verschiedene Bände. Und die sind durchnummeriert.'
Kundin: 'Also das verstehe ich wirklich nicht. Warum steht denn auf allen Büchern das Gleiche drauf?'
Ich: 'Wenn Sie alle Bücher gelesen haben, kommt die Geschichte dabei heraus, die Sie auf der Rückseite der Bücher lesen können.'
Kundin: 'Also so, wie Sie das erklären, versteht man das echt nicht.'

Ich habe dann noch zwei weitere Anläufe gestartet, die Kundin hat es trotzdem nicht verstanden, mir aber vertraut und einfach den ersten gekauft.
Habe ich das wirklich so mies erklärt?!






Charmant, charmant

04 Sep 2008 11:34:00 | Acivasha
 
Ab und an treffen einen Kundenäusserungen echt unvorbereitet. Schön, wenn es sich dabei nicht um etwas Negatives handelt.

Eingesetzt in eine andere Filiale wusste eine Kollegin den Preis eines Dekoartikels nicht und lief an das Regal, um nochzusehen.
Kollegin: 'Ich bin nur ausgeborgt, daher habe ich die Preise noch nicht im Kopf.'
Kunde: 'Wenn ich so etwas wie Sie ausborgen könnte, würde ich es aber nicht zurückgeben wollen.'

Den Rest des Tages können so viele 'andere' Kunden kommen... die gute Laune bleibt.






Meine Nummer eins hört auf

03 Sep 2008 15:15:01 | Acivasha
 
Im Leben eines Buchhändlers gibt es viele kleine Höhepunkte: Die bestandene Ausbildungsprüfung, die erste Festanstellung als 'echter' Buchhändler, die erste eigene Warengruppe und somit der erste Vertreterbesuch.
Nach meiner Ausbildung wurde ich als Frischling gleich in's kalte Wasser geworfen: Ich bekam, ohne Einarbeitung, gleich meine erste Warengruppe und ihn... meinen ersten Vertreter.
Was war ich nervös. Und habe es trotzdem ohne große Schweißausbrüche überstanden.
Das ist jetzt ein paar Jahre her und heute war der erste Vertreter meines Buchhändlerlebens zum letzten Mal zu Besuch. Er wird Ende des Jahres in Pension gehen, nach über 30 Jahren reisen mit so vielen Kilometern, dass er es viele Male um die Welt geschafft hätte.
Aber nicht das ist es, was mich beeindruckt und wofür ich dankbar bin, sondern für seine Ruhe und Gelassenheit, sein Vertrauen in mich, obwohl ich ein 'Greenhorn' war (und bin) und die freundliche Art. Ich habe mich auf die Besuche immer gefreut, auch wenn sie auf freie Nachmittage oder in meinen Urlaub fielen und bedaure es sehr, dass Herr H. (Ja, ich meine Sie!) sich künftig den Stau nurnoch im Verkehrsfunk antut und nicht mehr im Auto.

Vielen Dank für die vielen vergnüglichen Besuche, den Kaffee und die Schokolade. Und das Selbstvertrauen, dass Sie mir durch Ihren ersten Besuch gegeben haben.
Ich wünsche Ihnen viel Freude ohne den Buchhandel und mit dem, was Sie jetzt stattdessen machen.






Nicht 'angesteckt' oder abgelebt

31 Aug 2008 06:54:12 | Acivasha
 ....sondern einfach nur im Umbruch.
Neuer Lebensabschnitt, auf Wohnungssuche, neue Jobaussichten...

Trotzdem:

Kundin: 'Ich suche einen Krimi mit dem Titel >Die Filzlaus<.'
-> Gefunden haben wir das gewünschte Buch mit dem Titel >Küstenfilz<.



Mmmmh... lecker

12 Aug 2008 16:36:37 | Acivasha

Wenn man an der Kassenfront sateht, darf man nicht pingelig sein. Beim Bezahlvorgang bekommt man allerhand mehr oder weniger leckere Dinge zu sehen.
Lose Zähne, die neben dem Kleingeld im Münzfach des Portemonnaies auf ihren Einsatz warten.
Schweißnasse Geldscheine, die aus den Hosentaschen hechelnder Touristen den Weg in unsere Kasse finden.
Jede Menge Haare und undefinierbares Gefluse (auch 'Taschenmulch' genannt) landet tagtäglich auf dem Kassentisch, in unseren Händen und in der Lade.
Geld ist einfach schmutzig. Aber so ist das eben.

Ich war heute trotzdem angeekelt, als sich eine Kundin vor mir ausgiebig die Nase schneuzte und mit dem nassen Taschentuch in der Hand intensiv im Kleingeld wühlte und mir das Geld zusammen mit dem berotzten Taschentuch in die Hand drückte.
Vielen Dank auch.






Wenn sich...

08 Aug 2008 06:49:45 | Acivasha

...süße hutzelige Ömchen das Buch >Feuchtgebiete< kaufen und es nicht verschenken, sondern selbst lesen wollen, dann... muss ich unweigerlich in mich hineingrinsen und hoffe, dass das Herz da mitspielt, die Welt- und Gesellschaftsbilder nicht zerbrechen und die Gute weiß, worauf sie sich da einlässt.
Natürlich darf jeder lesen was er will, aber so manche Buch-Kunde-Konstellation ist ungewöhnlich oder sogar lustig.




Schraub schraub

07 Aug 2008 14:56:44 | Acivasha

Trotz zu viel Arbeit und zuviel privatem Kram, lebe ich noch. Und darf euch heute zwei Titelschmunzler überliefern.

Kunde: 'Ich suche das Buch >Die Streben der Freiheit<. Das lese ich grade, finde es gut und will es verschenken.'
Wer >Die Tore der Welt


Kundin: 'Haben Sie das Buch >Zehn Menschen trafen sich nach dem TodeNööö, aber wir haben >Fünf Menschen, die dir im Himmel begegnen>. Fand die Dame dann auch ganz gut.

Und nun vergrabe ich mich wieder im Job....







Es ist wie jedes Jahr...

29 Jul 2008 06:55:00 | Acivasha

...und doch sind wir immer wieder erstaunt. Es geht um unsere Touristen, die wir hier im Laden auch liebevoll 'die Ausserirdischen' nennen.
Erstaunt sind wir nicht nur, auf wieviele Arten man Gott grüßen, Moinsen und Servussen kann, sondern auch über das Kaufverhalten.
Jedes Jahr präsentieren wir wundervolle, bunte Stapel toller und aktueller Urlaubslektüre. Man will die Besucher ja beeindrucken. Man möchte ihnen was bieten. Und sie nehmen es auch dankend an.
Aber trotzdem verkaufen wir in den paar Sommerwochen so viele Ladenhüter, wie sonst das ganze Jahr nicht. Selbst Weihnachten hält da nicht mit.
Und ich kann mir das beim besten Willen nicht erklären....






Das will ich auch

23 Jul 2008 05:25:00 | Acivasha

Es gibt nicht nur Berufsblogger, sondern auch Berufsautoren. So zum Beispiel einen Arzt, der seinen Humor in der Sprechstunde vergeudet sah und nun  lustige Büchlein schreibt.  Um sich wenigstens noch ein wenig  der menschlichen Anatomie zu widmen, hat Dr. Hirschhausens Werk den Titel >Die Leber wächst mit ihren Aufgaben<.

Dem Titel nach wünschte sich die Kundin aber eher einen Sündenbock. Sie fragte nämlich nach >Die Leber übernimmt immer die Verantwortung<.

So eine Leber will ich auch! Bei uns übernehmen nämlich immer die gleichen Kollegen die Verantwortung: Keiner und Niemand.



 



Buchhändler- ein Orakel für die Fragen des Alltags

22 Jul 2008 05:04:37 | Acivasha

Buchhandlungen sind nicht nur Buchhandlungen. Sie sind auch Touristeninformationscentren, zentrale Beschwerdestelle (Wetter, Euro, Auswahl beim Fleischer...) und erste Ansprechpartner für die kleinen Tücken des Alltags.

Kundin: 'Diese Postkarte hier. Kann ich die in meinem Koffer transportieren, ohne, dass sie knickt?'
Ich: 'Das hängt von ihrem Koffer ab, denke ich.'
Kundin: 'Wie meinen Sie das?'
Ich: 'Na, in meinem Koffer wäre das problemlos möglich. Der hat ein Einsteckfach für Reiseunterlagen. Da knickt nichts.'
Kundin: 'Hat meiner das auch?'
Ich: 'Das kann ich Ihnen nicht sagen. Sie haben den Koffer ja nicht dabei. Aber es ist gut möglich...'

Naja, wir einigten uns darauf, dass sie doch selbst schaut, ob sie die Karte gut verpackt bekommt.
Meine grade aus dem Urlaub zurückgekehrte Arbeitskollegin wusste sogleich wieder, was sie im Urlaub so schmerzlich vermisst hatte.... 






Futter für die Seele

17 Jul 2008 17:07:13 | Acivasha

Beim Auspreisen einiger Bücher stieg mir plötzlich ein verlockender Duft in die Nase: Gebrannte Mandeln! Die Quelle war schnell ausgemacht, lief doch grade ein älterer Herr mit einer Papiertüte an mir vorbei.
Man muss dazu wissen, dass gebrannte Mandeln auf meiner Süßigkeitenhitliste recht weit oben angesiedelt sind.
Und es bestätigte sich, dass Hellseherei kein Buchhändlerpatent ist.
Denn nachdem der Herr sich ein Buch ausgesucht und dieses bezahlt hatte, meinte er...

Kunde: 'Möchten Sie vielleicht ein paar Mandeln? Die sind ganz frisch!'

Nein, ich hatte keine Sabber am Mundwinkel. Er muss das also 'erfühlt' haben, dass ich gebrannte Mandeln liebe!






Profis am Werk

17 Jul 2008 07:03:45 | Acivasha

Nicht nur der Shopblogger hat mit Profis zu kämpfen. Auch bei uns war diese Woche einer am Werk.
An einem Tag verschwanden auf Schlag:

-4 mal 'The Secret' à 16,95€
-4 mal 'Tintenblut'  à 22,90€
und
-7 mal 'Drachenläufer' à 10,50€

Also sind unsere Bücher in den nächsten Tagen sicher beim Amazon-Marketplace oder bei Ebay zu erwerben. Danke, Arschloch.






Brust raus

15 Jul 2008 18:56:51 | Acivasha

Mir fehlen die Worte, meinen Gesichtsausdruck zu beschreiben, den ich vermutlich eine  unkontrollierte Sekunde lang beim Anblick folgender Szene zur Schau stellte.

Weißhaariger Herr um die 70 hält ein maximal 20-jähriges Mädchen im Arm und schlendert mit ihr durch den Laden. Die junge Frau sucht sich eine Postkarte aus und lässt sich, da sie nur rudimentär Deutsch spricht, von ihm beim Bezahlen helfen.
Da fällt mein Blick auf sein T-Shirt.
Darauf ein Bild von ihr.
Mit rausgestreckten nackten Brüsten.

No words.






Unerhört

15 Jul 2008 18:52:23 | Acivasha

Der Sinn in einem Ladengeschäft besteht darin, Waren auszuwählen, zu präsentieren und diese möglichst schnell und ich möglichst hoher Stückzahl zu verkaufen.
Die Ware muss zu ordentlichen Konditionen zu beziehen sein, einen gewissen Kundenkreis ansprechen und dem Händler- zumindest hoffentlich gefallen.
Aber das Wichtigste ist und bleibt eben, dass man den Artikel verkauft.
Unsere einzelnen Geschenkpapierbögen waren zu mäßigen Konditionen zu beziehen. Mit Verlaub, beschissen zu lagern, gefielen uns aber gut. Dummerweise eben nur uns und nicht genug anderen Kunden. Also haben wir sie nach langer Überlegung aus dem Sortiment genommen.
Geschenkpapier führen wir zwar noch, allerdings nur normale Rollen.

Kundin: 'Wo sind die Bögen?'
Ich: 'Die mussten wir leider vor einigen Monaten aus dem Sortiment nehmen. Die liefen nicht.'
Kundin: 'Und was nehme ich jetzt zum Geschenkeinpacken?'
Ich: 'Wir haben hier noch Papierrollen. Vielleicht finden Sie da eine, die Ihnen zusagt.'
Kundin (schmeißt eine Rolle auf den Kassentisch): 'Die da.'
Ich: 'Das macht dann zwei Euro bitte.'
Kundin (empört): 'Bitte?! Jetzt muss ich auchnoch was bezahlen, was mir nicht gefällt?!'

Nö, muss man nicht. Wenn wir Kunden zwingen könnten, etwas zu bezahlen, was ihnen nicht gefällt, dann hätten wir die schönen Geschenkbögen nicht aus dem Sortiment nehmen müssen.






Was sagt man dazu?

11 Jul 2008 17:15:24 | Acivasha

Also echt. Da kommt eine Familie bestehend aus Mutter, Vater und kleinem Burschen in den Laden und man ahnt nichts Böses.
Erst brüllt, keift und kreischt der Junge den Laden zusammen, dann spuckt er fremde Kinde im Vorbeigehen an (!) und zerstört ein Buch.
Kommentar der Eltern: 'Das war nicht unser Kind.'
Zum Glück gingen die Eltern in dem Moment von selbst. Das wäre ein Fall gewesen, bei dem ich tatsächlich mal Leute vor die Tür gesetzt hätte.
Ich bin immernoch stinksauer.







Aufreißerschmöker

11 Jul 2008 17:09:51 | Acivasha


Beziehungsratgeber gibt es wie Sand am Meer. Einer ist allerdings schon seit Monaten auf der Bestsellerliste. Daher konnten wir folgendem Kunden das richtige Buch zuordnen, auch wenn der Titel nicht gaaaaaanz richtig war.

Kunde: 'Haben Sie das Buch >Liebe dich selbst und du kannst alle haben
Ich hoffe der Kunde war über den Inhalt des Buches nicht enttäuscht. Denn wie man alle haben kann, steht da leider nicht drin.








Sammlerstücke

09 Jul 2008 06:22:08 | Acivasha

Unsere kostenlosen Lesezeichen, die wir den Kunden gerne nach dem Kauf eines Buches mitgeben, haben langsam aber sicher Kultstatus.
Die Leute fragen jetzt, ob wir schon neue Motive haben, da sie unsere Lesezeichen sammeln und keins verpassen wollen.
Finde ich ja schon irgendwie toll.






Keine guten Nachrichten...

07 Jul 2008 05:13:56 | Acivasha
... bezüglich des Gesundheitszustands meines Gatten. Etwas durch den Wind, viel zu tun, deshalb grade ruhig.
Keine Sorge, mich gibt's  also noch. Und ich vergesse den Blog auch nicht. Habe schon ein schlechtes Gewissen.






Personenbeschreibung

01 Jul 2008 18:02:46 | Acivasha

Ein Vertreter rauschte in den Laden, haspelte kurz seinen Begrüßungstext inklusive Namen, Anliegen und sonstigen Floskeln herunter und schickte mich an, die Kollegin für die betreffende Warengruppe zu holen.
Noch auf dem Weg zum Büro war er weg, der Name von Haspelhaspelhaspelhassenichgesehen.

Ich: 'Du, da steht ein Kartenvetreter für dich.'
Kollegin: 'Ich habe garkeinen Termin. Welche Firma ist das denn?'
Ich: 'Keine Ahnung. Dieter Bohlen.'
Kollegin: 'Achso, deeeeer. Ja der kommt immer ohne Anmeldung.'

Hach, ist es nicht schön, wenn Vertreter aussehen wie A B Z-Promis?









Große Fragezeichen...

01 Jul 2008 16:58:59 | Acivasha


...hatten wir heute über den Köpfen. 'Halbe Ladendiebe' kennen wir schon. Oder zumindest ihre Hinterlassenschaften, nämlich abgerissene Bucheinbände. In denen wird wohl eine integrierte Piep-Etikette vermutet, also wird der Einband abgerissen und der Buchblock geklaut.
Das erste Mal fanden wir heute das Gegenteil vor: Einen Buchblock ohne Einband.

So, nun die Fragezeichen:
-War es ein Anfänger, der die Tatbeschreibung seines Ausbilders durcheinandergebracht hat?
-Brauchte der Dieb nur das Cover und wollte uns etwas Gutes tun, indem er uns den Rest dalässt?
-Hat ein Halbbuchdieb seine Beute noch vor der Flucht verloren? Oder aus Furcht doch liegengelassen?

Wir werden es wohl nie erfahren...








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